Auf ein Lachsröllchen mit Christophe Bossu

Picknick mit Christophe Bossu © 2014 Foto: Stefanie SchildchenUnterwegs zum Naturschutzgebiet Bruchwälder Woeste

Picknick am Waldrand bei Wienhagen

Kierspe Einen Franzosen zum Picknick zu bitten, ist in der Regel mit Erwartungen kulinarischer Art verknüpft, erfolgte aber in diesem Fall, ganz ehrlich, ohne Hintergedanken. Ein Spaziergang an frischer Luft zu einem ganz besonderen Lieblingsort, da reicht ja ein Butterbrot und etwas Hagebuttentee, aber das kommt bei Christophe Bossu nicht in die Tüte. Vom Parkplatz Dürener Haus geht es los. Genau zehn Jahre ist es her, dass der Mann aus Lothringen von hier aus die ersten Schritte in die Umgebung tat. Seit dem liebt er die Gegend, schwärmt von der Stille, lobt die Frische.

 

Seine „Erkundungsrunde“, wie er sie nennt, führt auch heute noch immer mal wieder den Wirtschaftsweg entlang, in Richtung Wienhagen. Zu dieser Jahreszeit wird man von Windböen begleitet, Wiesenkümmel steht Spalier. Der Wegweiser, der für weitere Ausflugsziele in vier verschiedenen Richtungen wirbt, wird rechts liegengelassen. Zwischen Woeste und Aussichtsturm, umsäumt von Birken und Eichen, steht eine Bank, hier lässt er sich gerne nieder und genießt den Blick in die grüne Weite. Ein uriger Ort zum Tafeln, Christophe Bossu empfiehlt ein Tomatenspießchen mit Mozarella, Balsamico-Creme und Fleur de Sel. Wiesen und Äcker schmiegen sich in die Senke, der Horizont ist ganz weit weg. Blühender Ginster steuert gelbe Farbkleckse bei. Wer diese Idylle erwandern möchte, folgt dem Rauk und den Wegezeichen des SGV, kleine Pfade führen direkt in den Wald hinein.

“Ich bin gerne Gastgeber.”

Christophe Bossu

“Manchmal muss man sich ein bisschen erden“, sagt der Marketingmanager, der diesen Platz aufsucht, um zur Ruhe zu kommen. Und um Muße zu finden, denn hier sind nicht selten Zeilen entstanden. Gedanken, die er sofort aufschreibt, um sie in einer Zettelkiste zu sammeln. Später, je nach Empfinden, wird daraus ein Gedicht.

Picknick mit Christophe Bossu © 2014 Foto: Stefanie SchildchenChristophe Bossu schlägt vor, die Crêpes-Röllchen mit Lachs und Dill zu probieren, dazu gibt es kleingeschnittene Radieschen mit Ziegenkäse zum Löffeln aus dem Glas und eine Kostprobe seiner Lyrik. Aus dem Band „Wortewind“ liest er das Gedicht „Schweigen im Wald“, das anrät, innezuhalten und genau hinzuhören. Wer das tut, kommt hier oben auf seine Kosten.

Ein uriger Ort zum Tafeln

Ein paar Vogelstimmen, Pferd und Reiterin, ansonsten Ruhe. Hinter den Hügeln die Grenze zum Rheinland. In Reichweite das Naturschutzgebiet Bruchwälder Woeste, hier gedeihen Hainsimse und Buche, Erle und Esche, Torfmoos und Moorlilie.

Der Proviant ist zu verführerisch, die Wahl für den nächsten Gang fällt auf eine Komposition aus gebackenen Zucchini mit Ziegenkäse und Mandeln auf Chili-Tomaten. Dazu passen Kiersper Wurzelbrot und ein paar Verse über Suche, Sehnsucht und Seelenverwandtschaft. Christophe Bossu kennt sich aus in der Welt der großen deutschen Dichter und Philosophen, er hat in Frankreich Germanistik studiert. Literarisch hat er seine eigene Sprache gefunden, seine Betrachtungen sind knapp, komprimiert, auf das Nötigste reduziert. „Verdichtet“, so nennt es Bossu.

Das Dessert aus frischen Erdbeeren, Himbeeren und Frischkäse schmeckt nach Sommer. Er selbst hat gar nicht viel gegessen, nur zugeschaut. „Ich bin gerne Gastgeber“, sagt Bossu. Er mag es, Freunde zu bekochen, selbstverständlich kreativ und auf französische Art, und dann stundenlang bei einem Glas Wein zusammenzusitzen. In der Küche, denn die sei „das Herz des Hauses“.

Der 46-Jährige arbeitet seit 22 Jahren in Deutschland, in der Werbung, war in der Sportbranche, in namhaften Firmen wie Leonardo Glasdesign und in großen Städten tätig. Hat aber hier im Grünen Wurzeln geschlagen und kehrt, wenn er mehrmals im Jahr nach Frankreich reist, immer gerne zurück. Er mag den „Blick auf den Zwiebelturm“, die Rönsahler Kirchenkonzerte und das Jazzfrühstück in der Historischen Brennerei. Die Provinz, sagt er auf dem Rückweg, schätze er sehr, hier seien interessante Leute, viele Künstler und immer neue Inspiration. Eine kleine Quiche gibt es noch auf die Hand.

Picknick mit Christophe Bossu © 2014 Foto: Stefanie Schildchen

Christophe Bossu

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