Fleisch glücklicher Tiere

Schweine, artgerechte Haltung

Sind diese Schweine glücklich, Herr Berghaus? „Auf jeden Fall“, sagt der Biobauer.

Beispielhaft: Qualität mit und ohne Bio-Siegel

Familie Berghaus engagiert sich für nachhaltige Landwirtschaft /
„Die Kunden legen Wert auf regionale Herkunft“

© Text und Fotos: Stefanie Schildchen

Valbert  So hoch ist er gar nicht, der Berg. Trotzdem. Der Blick vom Krabben aus lohnt sich immer wieder: Die Aussicht auf Valbert ist phänomenal. Doch die Schweine interessiert was anderes. Rasmus Berghaus schleppt nämlich gerade drei große Eimer mit Futter in den Stall. Das heißt es drängeln, was das Zeug hält.

Keine Pampe, nein – eine Lieblingsspeise, zubereitet aus dem, was aus der Dorfbäckerei übrig blieb: Brot, Brötchen, Leckereien aus der Backstube – in Wasser eingeweicht und heiß begehrt. Und deshalb herrscht hier am Trog jetzt reges Treiben und Geschmatze. Danach wird gerülpst und gegrunzt und schließlich ein Ausflug unternommen, durch das kleine Tor ins Freiland. Suhlen und Wühlen steht auf dem Programm.

Familie Berghaus führt eine mehr als 400 Jahre alte Tradition fort

Es wird sich gehörig im Matsch gewälzt. Das sei besonders im Sommer sehr wichtig, sagt Rasmus Berghaus. Die Dreckschicht dient als Sonnenschutz. „Denn Schweinehaut bekommt sehr schnell Sonnenbrand.“ Das klingt lustig, ist es aber nicht, weil die empfindliche Haut sich dann entzündet und die wunden Stellen dem Tier ganz und gar nicht behagen. Das kommt zum Glück nur ganz selten vor. Rasmus Berghaus ist Landwirt aus Leidenschaft. Er und seine Familie führen eine mehr als 400 Jahre alte Tradition fort.

Auf geht’s zum Herumtollen nach draußen

Mit Erfolg – 2008 wurden sie Bundessieger beim Wettbewerb “Landwirtschaft schafft Kulturlandschaft” und 2009 vom Landwirtschaftsministerium NRW als „beispielhafter Betrieb“ ausgezeichnet. In Valbert bewirtschaften sie 92 Hektar Grünland und acht Hektar Ackerland. Auf letzterem gedeihen Kartoffeln, Hafer und Kleegras – Bio-Futter für die Tiere. Das Unternehmen wächst, Berghaus reagiert auf eine steigende Nachfrage. „Die Kunden achten vermehrt auf Qualität, wollen wissen, woher das Fleisch kommt und legen Wert auf regionale Herkunft“, sagt Rasmus Berghaus.

Ihm liegt daran, mit gutem Gewissen Fleisch zu produzieren, das nicht unbedingt immer als Biofleisch gekennzeichnet sein muss. Seine Schweine leben nach strengen Biorichtlinien, bekommen Futter sowohl aus eigenem Anbau, als auch nach EU-Vorgaben – keine Antibiotika, keine Mastbeschleuniger, kein Soja. Weil aber die Reste aus der Backstube verfüttert werden, wird den Schweinen das Bio-Zertifikat verwehrt.

Die scharen sich derweil neugierig am Maschendraht. Wenn man ihnen so zusieht, wie sie herumtollen, sich gegenseitig necken und den Zaungast mit ihren Schnauzen am Ärmel stupfen, wird offensichtlich – die Tiere fühlen sich wohl. Sind diese Schweine glücklich, Herr Berghaus?

„Auf jeden Fall“, sagt der Biobauer. Stroh macht den Stall gemütlich. Sie bekommen Licht und Luft und alles, was sie brauchen. Auch Streicheleinheiten. Während die eine Hand die Köpfe tätschelt, weist die andere den Hang hinauf. Dort wird nämlich gerade ein weiterer Zaun gebaut und der Auslauf bis zum Waldrand hin vergrößert. „Auf dem Hof Ihnestraße werden alle Tiere artgerecht gehalten“, betont Rasmus Berghaus. Das gilt auch für die Rinder.

Alle Tiere werden artgerecht gehalten

Von Mai bis November genießen 60 Kühe die frische Luft auf den Sommerweiden. Berghaus setzt auf das „Rote Höhenvieh“, eine Rasse alten Landschlags, die vor gar nicht so langer Zeit vom Aussterben bedroht schien. Mittlerweile hat sich die robuste Art aber wieder mehr und mehr durchgesetzt, nicht zuletzt deshalb, weil das Rindfleisch überzeugende Eigenschaften bietet:

„Es ist optimal marmoriert, hat feine Fasern und eben diesen besonderen Geschmack“, sagt Berghaus. Reine Bio-Qualität mit Siegel. Kühe und Mastrinder bekommen neben saftigem Gras selbst angebautes Bio-Heu und Bioheulage sowie Biogetreide.

Zuchtbulle „Stromer“ sichert den Nachwuchs der Pinzgauer, einer Hausrindrasse österreichischen Ursprungs. Um zu den Rindern zu gelangen, dient ein kleiner Geländewagen. Es geht ins Grüne, Rasmus Berghaus brettert über Wirtschaftswege und holprige Pfade zu seinen Weiden – der größte Teil auf Naturschutzflächen. Viel zu selten, beklagt er, ließe die Arbeit in der Bäckerei die Zeit, hierher zu kommen und nach dem Rechten zu schauen.

Zuchtbulle Rotes Höhenvieh

Carolin Arnold beim Käseschneiden im Bioladen

Carolin Arnold

Doch ab und zu nimmt er sich eine Auszeit, genießt den Blick über die idyllische Gegend, das Grün der Wiesen und Felder rings um die Ihnequelle und den Moment, wenn seine Kühe gemächlich aber zielstrebig angewackelt kommen und ihm zum Kraulen die Stirn hinhalten. Das Tierwohl liegt Rasmus Berghaus am Herzen. Auch Gänse und Puten werden in Freilandhaltung mit viel Auslauf und Weidefläche gehalten und für seine Enten gibt es einen Schwimmteich. Die Verbraucher kaufen nicht einfach nur ein Produkt, sondern unterstützen auch das System dahinter.

„Der Trend geht wieder zu regionalen Produkten“, sagt Carolin Arnold. Die Studentin der Ökologischen Agrarwissenschaften, die ein Praktikum im Dorfladen der Familie Berghaus absolviert hat, gibt die Kundenmeinung wieder. Massentierhaltung, Genmanipulation und Spritzmittelrückstände im Futter seien wichtige Themen: „Das alles wollen die Leute nicht.“ Direktvermarktung wie im Valberter Bioladen, so auch ihre Erfahrung, bedeute „allerdings sehr viel Arbeit“.

Das Ziel: Kreisläufe schließen, die Nährstoffe im eigenen Betrieb belassen; optimale Bedingungen schaffen für gesunde Tiere; Transparenz bieten. Es gebe genug Kunden, die fordern: „Bevor ich Fleisch kaufe, möchte ich die Tiere sehen.“ Die 22-Jährige, die in Meinerzhagen ihr Abitur gemacht hat, könnte sich durchaus vorstellen, nach der Ausbildung ins Sauerland zurückzukehren. Wenn sich ein Hof fände, den sie übernehmen könnte. Um ihn zu bewirtschaften, streng ökologisch natürlich.

Weitere Informationen

Bioladen und Dorfbäckerei Berghaus
Ihnestraße 14
58540 Meinerzhagen-Valbert
☎ 02358 / 303
✉ dorfbaeckerei.berghaus@t-online.de
www.bio-dorfladen-berghaus.de

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag
6.15 bis 13 Uhr und 14.30 bis 18.30 Uhr
Samstag
6 bis 13 Uhr
Sonntag
8 bis 11 Uhr

Angebot Bioladen
Über 35 Sorten Käse
Obst und Gemüse (Bio-Qualität)
Kartoffeln aus eigenem Bioanbau
Schinken und Wurst (zu den Schlachtterminen auch aus eigener Schlachtung)
Molkereiprodukte
Eier aus  Biohaltung
Fleisch (Rind, Schwein, Geflügel) und Fisch auf Bestellung


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