Der Schütze als Räuchermännchen

Die Geschichten, die Gröschl hier bildhaft mit seinen Werken erzählt, spielen immer vor Ort, zum Beispiel wie in diesem Lichterbogen an der Jesus-Christus-Kirche in Meinerzhagen.© 2016 Foto: Stefanie Schildchen

Das Sauerland komplett aus Holz

Detlev Gröschl vergisst beim Laubsägen die Zeit / Meinerzhagener fertigt Lichterbögen, Spieluhren und Winterlandschaften / Mit viel Liebe zum filigranen Detail

© Text und Fotos: Stefanie Schildchen

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ie Kulisse – ein heimisches Gebirge, die Hügel tannenbewachsen und offenbar verschneit, Schlittenspuren deuten darauf hin. Zwei Männer stapfen durch den Wald. Karl vom Ebbe, stilecht mit Kiepe, und an seiner Seite ein Schütze mit Schützenmütze, buntem Halstuch und Holzgewehr, beide sind unterwegs in die Stadt. Diese Szenerie ist komplett aus Holz. Ausgesägt und sich ausgedacht hat sie Detlev Gröschl. Seine Leidenschaft gehört den Laubsägearbeiten und was unter seinen Händen entsteht, hat immer irgendwie mit der Heimat zu tun.

Der gelernte Steinmetz und Steinbildhauer hat eine künstlerische Ader und, dafür ist er bekannt, viele originelle Ideen. Der „Meinerzhagener Lichterbogen“ ist eine davon.  Jede Ausfertigung ist etwas anders gestaltet, die kleineren kommen mit einem Teelicht zur Geltung, die größeren mit elektrischer Lichterkette. Die Schanze auszusägen ist eine Herausforderung. Das Wahrzeichen der Stadt Meinerzhagen hat viele kniffelige Stellen.

Räuchermännchen, Meinerzhagener Schütze © 2016 Foto: Stefanie Schildchen

„Hier, diese ganzen Verstrebungen – das kostet Zeit“, sagt Detlev Gröschl und schaut kurz über den Brillenrand. Dann spannt er das Sägeblatt neu ein und widmet sich wieder dem Motiv. Ein kleines Kunstwerk entsteht. Perfektion ist nicht das Ziel, Massenproduktion ebensowenig.

„Die ersten Exemplare habe ich eigentlich nur für mich gemacht“, sagt der 54-jährige Meinerzhagener. Dabei habe ihn der Werkstoff fasziniert, der Geruch von Holz und das relativ leicht zu bearbeitende Material. Vor allem aber zu sehen, wie sich das Sägeblatt in der Platte fortbewegt, den Konturen folgt und wie nach und nach ein Bild entsteht. Das Ergebnis ist in jedem Fall ein Unikat. „Nur Handarbeit hat diesen Effekt, die besondere Charakteristik. Keiner meiner Lichterbögen gleicht dem anderen.“ Die Vorlage hat Detlev Gröschl selbst gezeichnet und dann auf die Platte übertragen. Mit viel Liebe zum filigranen Detail. Er arbeitet sich quadratmillimeterweise vor –  bohren, sägen und immer wieder das Blatt neu einspannen.

Beim Werken mit Holz, Laubsäge und Klebepistole vergisst Detlev Gröschl schon mal die Zeit. © 2016 Foto: Stefanie Schildchen
Detlev Gröschl in seiner Baude. © 2016 Foto: Stefanie Schildchen

Und während er die eine Sache bearbeitet, sprudeln schon die Ideen für das nächste Projekt. Deshalb fertigt er seit einiger Zeit nicht nur die Lichterbögen in allen Größen und Varianten, sondern gestaltet auch Spieluhren und Geschenkboxen. Seine neueste Kreation ist der Meinerzhagener Schütze als Räuchermännchen. Die Rohfigur kommt original aus dem Erzgebirge, das er mehrmals im Jahr bereist. Mit Pinsel und Farbe wird der „Schütze“ traditionell eingekleidet: Blauer Kittel, grüne Mütze, rotes Halstuch. Die Figuren auf der Spieldose erhalten zusätzlich noch einen Tannenbaum, eine Fackel und einen Stehtisch, darauf (ebenfalls aus Holz) ein Glas Bier mit Schaum.

 

Detlev Gröschl beim Basteln. © 2016 Foto: Stefanie Schildchen

Die Geschichten, die Gröschl hier bildhaft mit seinen Werken erzählt, spielen immer vor Ort, an der Jesus-Christus-Kirche, der Schanze, am Robert-Kolb-Turm, in den Wäldern zwischen Nordhelle und Nocken.

Mit seinen besonderen Fertigkeiten hat er sich mittlerweile in der Stadt und darüber hinaus einen Namen gemacht. Auf vielfachen Wunsch gestaltet er die Bastelarbeiten auch auf Bestellung und hat inzwischen so viele angefertigt (auch viele ganz neue Motive sind dabei), dass er sie erstmals auf dem Weihnachtsmarkt am 3. und 4. Dezember an der Jesus-Christus-Kirche in Meinerzhagen anbieten will.

Spieldose, gestaltet von Detlev Gröschl, mit Meinerzhagener Schützen samt Tannenbaum, Fackel und einem Stehtisch, darauf (ebenfalls aus Holz) ein Glas Bier mit Schaum. © 2016 Foto: Stefanie Schildchen

Wie lange braucht man denn von der Idee bis zum fertigen Kunstwerk aus Fichtenholz? Detlev Gröschl überlegt. „Keine Ahnung, wie lange ich da dran bin.“ Das mag daran liegen, gibt er zu, dass er beim Sägen, Malen und Kleben einfach die Zeit vergisst.

Weihnachtsmarkt, Jesus-Christus-Kirche, 3. und 4. Dezember 2016.

Lichterbogen "Robert-Kolb-Turm" © 2016 Foto: Stefanie Schildchen

Meinerzhagener Geschenkbox © 2016 Foto: Stefanie Schildchen
Lichthaus mit Räucherfunktion © 2016 Foto: Stefanie Schildchen
Der Schütze, stilecht mit Pfeife und Kiepe © 2016 Foto: Stefanie Schildchen
Meinerzhagener Lichterbogen
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