“Eisernes Pferd” in den Ebbemooren

Mit dem Forstraupenschlepper gegen den Fichtenbestand © 2016 Foto: Stefanie Schildchen

 NIEDER MIT DEN FICHTEN

Forstraupenschlepper im Einsatz / Starterprojekt des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge

© Text und Fotos: Stefanie Schildchen

So schön er auch ist – besonders jetzt in dieser Jahreszeit – der Tannenbaum ist nicht unbedingt bei allen gleich beliebt. Handelt es sich nämlich um eine Fichte und verbreitet sie sich in der Natur am falschen Ort, dann besteht Handlungsbedarf. Und wenn der Nadelbaum sich daran macht, ein schützenswertes Hangmoor zu besiedeln, dann muss der Experte ran.

Seit drei Tagen ist aus diesem Grund ein „Eisernes Pferd“ im Naturschutzgebiet „Wilde Wiese“ im Einsatz. Moorkundler Dr. Pascal von Sengbusch ist mit der Spezialmaschine aus dem Schwarzwald angereist, um den Pflegeeinsatz zu bewerkstelligen.

Moorkundler aus dem Schwarzwald

Engagiert wurde er im Rahmen eines Kooperationsprojekts zwischen dem Naturpark Sauerland-Rothaargebirge, dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW, dem Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland in Abstimmung mit der Unteren Landschaftsbehörde des Märkischen Kreises.

Mit dem Forstraupenschlepper gegen den Fichtenbestand © 2016 Foto: Stefanie Schildchen
"Eisernes Pferd" in Aktion © 2016 Foto: Stefanie Schildchen

Dr. Pascal von Sengbusch unterbricht kurz die relativ schwere Arbeit im Gehölz, schaltet den Motor aus und nimmt den Gehörschutz ab. Das Wetter, sagt er, komme ihm gerade recht, der Boden sei durch die kalten Temperaturen nicht ganz so weich und der Schnee bilde eine schützende Schicht. Denn hier direkt im Feuchtgebiet gelte es, besonders vorsichtig vorzugehen, „damit die Moornarbe nicht kaputt geht“. Der Torfkörper sei hier nur einen halben Meter dick, deshalb müssen die gefällten Fichten behutsam herausgezogen werden, ohne den Untergrund zu beschädigen.

Das „Eiserne Pferd“ heißt so, weil es die günstigen Eigenschaften des Rückepferdes auf praktische Weise vereint, nämlich Kraft, Ausdauer und Wendigkeit.

Der kleine Forstraupenschlepper aus schwedischer Produktion ist mit einem 9 PS starken Benzinmotor unterwegs und ideal für schwer erreichbares Gelände oder steile Hänge. Vor allem aber – der Fachmann deutet zu Boden – hinterlassen die breiten Raupenbänder nur flache Spuren und dank des idealen Bodendrucks der Spezialmaschine werden lediglich ein paar vertrocknete Halme umgeknickt.

Eisernes Pferd in den Ebbemooren

Das Naturschutzgebiet „Wilde Wiese“ unterhalb der Nordhelle ist nebelverhangen. Die leicht verschneiten Wälder der Ebbemoore wirken wie eine Märchenkulisse. Vereinzelt sind Wanderer anzutreffen, der Sauerland Höhenflug führt hier entlang. Zwischen Südhangweg und dem Homberger Bach erstreckt sich ein Teil der Hangmoorfläche, die Binse ist ihr Erkennungszeichen.

Die Ebbemoore, eine Märchenkulisse

Hier ist der Boden von Feuchtigkeit geprägt, die es unbedingt zu erhalten gilt. Die Fichte wirkt dem entgegen. Die immergrünen Nadelbäume verdunsten sehr viel Wasser, nehmen anderen Pflanzen das Licht weg und die Nadeln machen den Boden undurchlässig.

Maßnahmen gegen Fichten © 2016 Foto: Stefanie Schildchen

Die Ebbemoore auf den Höhenzügen des Ebbegebirges zwischen Meinerzhagen und Attendorn zählen zu den bedeutendsten Naturschutzgebieten im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge. Hier auf 500 Metern Höhe ist das Klima regenreich und somit günstig für die Entwicklung der schützenswerten Feuchtgebiete, deren Entstehung mitunter Jahrhunderte in Anspruch nimmt. Diese kleinflächig verteilten so genannten Hangquellmoore bilden den Lebensraum ganz spezieller Arten, hier leben – streng geschützt – beispielsweise der Hochmoor-Perlmuttfalter, die Waldeidechse, die Moorlilie und die Moosbeere. Trocknet ein solches Gebiet aus, ist die eigenständige Flora und Fauna unwiederbringlich verloren.

Pascal von Sengbusch steuert das „Eiserne Pferd“ mit der Lenkstange durchs Dickicht. Mit der Motorwinde werden die Fichtenstämme zur Maschine gezogen, festgezurrt und zum Waldrand transportiert. Klaus Kraatz von der Unteren Landschaftsbehörde des Märkischen Kreises geht dem Experten zur Hand. Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper ist ebenfalls vor Ort und verschafft sich ein Bild von der außergewöhnlichen Maßnahme, von der es in Zukunft noch mehrere geben soll. Das Schutzgebiet Ebbemoore zählt zu den bedeutendsten in NRW. Der Einsatz auf der acht Hektar großen „Wilden Wiese“ wird durch den neugegründeten Naturpark Sauerland-Rothaargebirge finanziert.

Ziel ist es, auf die Naturschätze in der heimischen Region und den Einsatz zu ihrem Erhalt und Schutz aufmerksam zu machen. Es sind die ersten naturschutzfachlichen Pflegemaßnahmen auf dem Gebiet des neuen Naturparks, verkündet dessen Geschäftsführer, Detlef Lins. „Mit dem Einsatz des Eisernen Pferdes wird auch ein touristisch wertvoller Beitrag geleistet und Wanderer sowie Spaziergänger können den Naturschutz unmittelbar vor Ort erleben.“ Da ist er einer Meinung mit Klaus Lomnitz, Leiter des zuständigen Regionalforstamtes in Olpe, beide begrüßen das gelungene Starterprojekt und die gute Zusammenarbeit als Kooperationspartner im Landeseigenen Waldbesitz im Ebbegebirge.

Ortstermin in den Ebbemooren © 2016 Foto: Stefanie Schildchen

Machten sich ein Bild von den Naturschutzmaßnahmen in den Ebbemooren – (von links) Klaus Lomnitz (Regionalforstamtsleiter Kurkölnisches Sauerland), Dr. Pascal von Sengbusch (Bundesweit anerkannter Moorkundler), Detlef Lins (Geschäftsführer Naturpark Sauerland-Rothaargebirge e. V.), Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper, Klaus Kraatz (Untere Landschaftsbehörde des Märkischen Kreises).

Weitere Informationen

Naturpark Sauerland-Rothaargebirge
Moorkunde

Print Friendly, PDF & Email