Vor dem großen Feuer

Die evangelische Kirche als Motiv auf einer antiken Postkarte: Valbert und das Ihnetal von der Ebbestraße aus gesehen © Foto: Sammlung Schildchen

Die evangelische Kirche vor 1956 als Motiv auf einer antiken Postkarte: Valbert und das Ihnetal von der Ebbestraße aus gesehen © Foto: Sammlung Schildchen

Wie „die ärmste Gemeinde des märkischen Süderlandes“ für eine neue Kirche kämpfte

Neue Ausgabe des Meinhardus beschäftigt sich mit der Vorgeschichte der evangelischen Kirche

Valbert – Die neue Ausgabe des Meinhardus ist da. Diesmal hat der Heimatverein die evangelische Kirche zum Thema gemacht, oder besser: Ihre Vorgeschichte. Am 30. Dezember 1956 war das Gebäude an der Ihnestraße in Valbert bis auf die Grundmauern niedergebrannt. „Diese Katastrophe vor 60 Jahren veranlasste uns, Bilder aus dieser Zeit zusammenzutragen und mit der Bilderwerkstatt des Heimatvereins zu veröffentlichen“, heißt es in der Einleitung. Im Verlauf vieler Recherchen in Stadt-, Zeitungs- und Kirchenarchiven sei so viel Material zusammengekommen, dass damit auch noch die kommende Ausgabe gefüllt werden könne.

Die Vorgängerin der evangelischen Kirche war eine katholische und stand einstmals ganz woanders, nämlich da, „wo heute die Ebbestraße an der Friedenseiche des Denkmalsplatzes vorbeiführt“, so ist es in der Festschrift zur 100-Jahr-Feier aufgeführt. Sie war einst in romanischem Stil erbaut worden und inzwischen – nachdem mehrfach der Blitz eingeschlagen und Feuer verursacht hatte – marode, eingefallen und vom Zahn der Zeit gezeichnet.

Man wandte sich an höchste Stellen, bat den König um finanzielle Unterstützung: „Ew. Majestät wollen allergnädigst verzeihen, wenn die ärmste Gemeinde des märkischen Süderlandes ein für sie äußerst wichtiges Anliegen vor höchst Dero Thron bringt.“

Weiter heißt es in dem Bittgesuch: „Unser altes, achthundertjähriges Gotteshaus, schon längst sehr baufällig, ist am 25. Juli 1832 durch das Einschlagen des Blitzes in den Turm desselben in solchen Zustand geraten, daß eine Reparatur nach Aussage der Baubeamten nicht mehr möglich ist.“ Für den Bau einer neuen Kirche bewilligte der preußische Regent 12 200 Taler, sie sollte wegen Platzmangels und des schiefen Geländes am Denkmalsplatz weiter unten im Dorf  am Friedhof (heutiger Park) entstehen.

Am 15. Mai 1845 versammelten sich die Valberter zur feierlichen Grundsteinlegung. Der königliche Bauinspektor Althoff hatte dazu eine Urkunde entworfen, die Konstrukteur Friedrich Spies kalligraphierte. „Diese Urkunde wurde eingewickelt in ein Exemplar der Elberfelder Zeitung vom 14. Mai und ein Exemplar des Altenaer Kreisblattes vom 10. Mai mit verschiedenen inländischen Silber- und Kupfermünzen“ ist im Meinhardus zu lesen. Das alles liegt seitdem verschlossen „in einem Kästchen von lakiertem Eisenblech“ irgendwo unter den Grundmauern.

Zuschuss: 12 200 Taler vom preußischen König

Ein Jahr später wurde die Einweihung gefeiert. Im Jahr 1889 erhielt die Kirche einen neuen Glockenturm. Der Innenraum war schlecht zu heizen und meist feucht. Dafür aber kunstvoll ausgeschmückt. Überall an den blassgelben Wänden Bibelsprüche in schwarzen Frakturbuchstaben und goldenen Lettern. Der Altar aus weiß lackiertem Eichenholz, die Fenster mit zwei dunkelroten Buntglaskreuzen verziert, manche Bank mit reichem Schnitzwerk versehen. Sie überstand die Weltkriege, wurde immer wieder ausgebessert und mit neuen Glocken bestückt. Noch im Jahr 1956 gab es umfangreiche und teure Reparaturarbeiten und man freute sich, schon bald eine neue Heizungsanlage in Betrieb nehmen zu können. Dann kam die folgenschwere Nacht auf Silvester und das alles vernichtende Feuer.

© Text: Stefanie Schildchen

Die evangelische Kirche in Valbert, heute
© 2017 Foto: Stefanie Schildchen

Meinhardus 1/2017, Meinerzhagener Heimatblätter
Preis pro Heft 3 Euro (für Mitglieder des Heimatvereins kostenlos)

Die aktuelle Ausgabe des Meinhardus gibt es hier:
Heimatverein Meinerzhagen e. V.
Frank Brüggendieck
☎ 02354 / 701880

www.heimatverein-meinerzhagen.de

 

 

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