Schützenswerte Urlandschaft

Hangmoor im Naturschtzgebiet Braucke

Mit dem Fachmann unterwegs im Naturschutzgebiet Braucke. © Text und Fotos: Stefanie Schildchen

Feuchtwiese im Muldental der Wehe

Zum Welttag der Feuchtgebiete am 2. Februar / Kleine Exkursion zum Hangmoor Braucke, einem Biotop im Grenzgebiet zwischen Kierspe und Meinerzhagen

Meinerzhagen Es gibt sich bescheiden, tut sich weder mit prächtigen Blüten noch mit sonstiger üppiger Vegetation hervor. Es führt ein Dasein am Rande und bleibt weitgehend sich selbst überlassen. Doch dieser Tage rückt es in den Fokus – genauer: heute. Der 2. Februar ist seit 1997 der Welttag der Feuchtgebiete. Von der Unesco angestoßen soll er die öffentliche Wahrnehmung schützenswerter Urlandschaften verbessern. Grund genug, mal eines der Feuchtgebiete der Gegend vorzustellen.

Im Dezember des vorigen Jahres ergab sich die Gelegenheit zu einer kleinen Exkursion zum Hangmoor Braucke, einem etwa zehn Hektar großen Biotop im Grenzgebiet zwischen Kierspe und Meinerzhagen. Gerd Eppe vom Naturschutzzentrum Märkischer Kreis hilft mit seiner Fachkenntnis über seltene Pflanzenarten, das Nassgrünland Meinerzhagen-Wehe zu erkunden. Hier nahe des Hangmoors Braucke schlängeln sich Siedemecke, Wehe und einige andere, namenlose Bäche, können abends insektenjagende Fledermäuse beobachtet werden, gedeihen Mädesüß, geflecktes und breitblättriges Knabenkraut und das Sumpfstiefmütterchen. Der Förderverein Naturschutz MK hat seit 1995 große Teile der Flächen aufgekauft, um sie unter besonderen Schutz und Pflege zu stellen. Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung unterstützt den Verein finanziell.

Flächen stehen unter Schutz

Das Naturschutzgebiet Braucke liegt südöstlich der Bauerschaft Wehe. Im südlichen Abschnitt befindet sich ein Erlensumpfwald, der Boden ist von Sickerquellen durchsetzt. Auf der Talsohle des südwestlichen Wehezulaufs steht man mitten in der Nasswiese. Der Laie sieht nur grüne Halme, der Experte spricht von Waldbinse und Segge.

Gerd Eppe vom Naturschutzzentrum Märkischer Kreis

Gerd Eppe, Diplom-Biologe, arbeitet beim Naturschutzzentrum Märkischer Kreis.

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Hinter dem Naturschutzgebiet Steinsmark am Flugplatz Meinerzhagen führt ein Wanderweg durch den Wald, an dessen Ende sich die Feuchtwiese zwischen die sanften Hügel bettet. Einzelne Gebüsche und Farne säumen das Tal, unweit des Bachlaufs der Siedemecke sinkt man knöcheltief ins nasse Gras. Gummistiefel sind angebracht. Gerd Eppe empfiehlt allerdings Besuchern, nicht in diesem Gelände herumzulaufen, sondern auf den Wegen zu bleiben. Er macht sich Sorgen um Sumpfmoos und Binse und um all die anderen seltenen Pflanzenarten wie Bärlapp und Pfeifengras.

„Sphagnum palustre“, sagt Gerd Eppe und hält etwas hoch, das er zwischen den Gräsern entdeckt hat. Es ist eine der Torfmoosarten, die hier wachsen und die nur der geschulte Blick ausmachen kann. Er zeigt, wo die rosa blühende Kuckucks-Lichtnelke zu finden ist, der Bärenklau und die Sumpfkratzdistel.

Tausende Orchideen im Juni

Die Fläche des Hangmoores Braucke besteht aus zwei Teilen, einer Feuchtwiese, reich an Schachtelhalm, und aus bachbegleitendem Schwarzerlenbestand. Hier sind Dorngrasmücke und die seltene Waldschnepfe zuhause, und nicht weit entfernt davon brütet der Rotmilan. Vogelfreunde treffen hier Zaunkönig, Rotkehlchen, Wacholderdrossel, Haubenmeisen, Weidenmeise, Kleiber, Baumläufer, Kreuzschnäbel und Buntspecht an. Im Juni haben Tausende Orchideen in diesem Grünland Konjunktur, außerdem sind Harzer Labkraut, Kriechender Hahnenfuß und Spitzblütige Binse hier vorherrschend.

„Diese beiden Feuchtstandorte mit angepasster Flora und Fauna gehören zu den Lebensräumen, die unseren Schutz dringend benötigen“, sagt der Diplom-Biologe. Moore stehen heute neben Auwäldern an der Spitze aller gefährdeten Biotope.

Die großen Moore der Tiefebenen sind weitgehend durch Torfabbau vernichtet, die kleinen heimischen Moore werden durch Entwässerung – etwa zur Umwandlung in Acker- oder Weideflächen – zerstört. Damit gehe, so Gerd Eppe, nicht nur Lebensraum verloren, es führe auch zur Entstehung verschiedener klimaschädlicher Prozesse.

Große Moore weitgehend vernichtet

Das Moorwachstum geht sehr langsam vor sich und die Gefahr besteht, dass bei gedankenlosem Umgang vernichtet werde, was in Tausenden von Jahren entstanden ist.

Hangmoore, erklärt Gerd Eppe, haben mit dem großflächigen Hochmoor, das man aus der norddeutschen Tiefebene kennt, nur wenig zu tun. Sie bilden sich, wenn mineralstoffreiches Wasser an geneigten Flächen langsam abwärts sickert und nicht durch den Boden abfließen kann. Ab und zu besucht er dieses Gebiet, um den Baumbestand zu prüfen. Dabei achtet er besonders auf die Fichte, die hier nicht erwünscht sei, weil sie dem Moor stetig Wasser entzieht.

Das Hangmoor Braucke, landschaftlich reizvoll gelegen im Muldental der Wehe, ist Teil einer schützenswerten Urlandschaft und eines der Naturschutzprojekte des Fördervereins Naturschutz MK. Dieser setzt sich dafür ein, dass durch Zukauf von umliegenden Flächen und Waldparzellen die Natur dort nicht durch Raubbau Schaden nimmt und so erhalten werden kann wie sie ist.  grünegegend-01stem_pure

Gerd Eppe zeigt die Waldbinse

Im Moor wächst die Waldbinse.

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Das Muldental der Wehe. © Foto: Förderverein Naturschutz MK

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