Gefilde im Dornröschenschlaf

Gleyer Herbert Langenohl

Das Naturschutzgebiet Gleyer, etwa zehn Kilometer östlich von Meinerzhagen gelegen – Der Hochsitz “Hermann Löns” ist einer der Lieblingsplätze von Herbert Langenohl. Mit dem Hardenberger ist hier ein Picknick vereinbart, es gibt Kaffee aus der Thermoskanne, fair gehandelte Schokolade und einen tollen Panoramablick auf die Wacholderheide. © Text und Fotos: Stefanie Schildchen

Das Naturschutzgebiet Gleyer

Sonnenstrahlen chancenlos, Dunstdickicht über dem Gleyer. Graubraun präsentiert sich die Heide, als wäre sie vertrocknet. Der Winter, so scheint es, steckt der Natur noch in den Knochen. Farbe gibt’s allenfalls bei den Blaubeeren, hellgrüne Blättchen, die Früchte bereits zartrosa.  Ansonsten ein paar Vogelstimmen, weiter nichts. „Einfach nichts gibt es hier“, sagt einer, der sich  auskennt. Es geht um Lieblingsplätze der Meinerzhagener, in diesem Fall um den von Herbert Langenohl.

Die Stille ist schlicht das entscheidende Kriterium. „Hier trifft man ganz selten jemanden“, weiß Langenohl. Trotz der einzigartigen Landschaft? Kaum zu verstehen. Das Naturschutzgebiet Gleyer, etwa zehn Kilometer östlich von Meinerzhagen gelegen und circa 23 Hektar groß, verbirgt geschickt seine Schätze.

„Hier war einst Eisenverhüttung“, Herbert Langenohl zeigt zu einer Stelle  mit Kuhlen und Erhebungen, alles ist mit Moos und Gras überwachsen. In die andere Richtung weist eine hölzerne Tafel den „Kirchweg“, den die Gläubigen damals zu Fuß nach Valbert nahmen. An einer mächtigen Fichte vorbei geht es über weichen Waldboden und Wirtschaftswege zum eigentlichen Ziel, zum Hochsitz „Hermann Löns“, dem wahren Lieblingsort. Hier ist ein Picknick vereinbart, Herbert Langenohl trägt eine Basttasche nach oben. Zweifel kommen auf, ob man das darf,  aber es ist kein Schild zu sehen, das dagegen spricht.

Er gießt Kaffee aus der Thermoskanne in Tassen, vom Keramikkünstler Martin Gödersmann handgefertigt. Und bricht fair gehandelte Schokolade in kleine Stücke. Der Moment – ein Genuss. Der Ausblick grandios. Großflächig Heidekraut, umsäumt von Wacholderbüschen und Zypressen. Dazwischen welke Halme, noch kraftloses Grün und altes Gehölz.

Ein malerisches Gefilde im Dornröschenschlaf. Vor kurzem gab es hier noch meterhohe Fichten, die aber weichen mussten, damit die Wacholderheide sich optimal entfalten möge.

Der Blick geht in die Weite, hinter vom Sturm zerpflückten Kiefern eröffnet sich eine atemberaubende Landschaft mit Wiesen und Mischwald. Ein ideales Wandergebiet“, sagt Herbert Langenohl und malt mit dem Finger eine Blüte in die Luft. Wie die Form einer Margerite, so seien hier schleifenartig die Wanderwege angelegt. Mittendrin Hardenberg, sein Dorf und seit 40 Jahren seine Heimat. Auf dem Friedhof hoch über dem Ort liegt seine Frau Johanna begraben. In die Wälder rundherum habe er oft vor dem Alltagsstress Zuflucht gesucht. „Zeitweise war ich jeden Nachmittag hier oben“, schildert er die Zeit, in der er noch als Lehrer tätig war.

Die Natur liegt ihm am Herzen. „Alles lässt sich irgendwie ändern“, glaubt der 73-Jährige, „nur den Klimawandel kann man nicht zurückdrehen.“ Und: „Wir werden uns noch wundern.“ Das sagt der Umweltschützer in ihm, der sich engagiert und seinen Beitrag geleistet, als Versammlungsleiter der Dorfgemeinschaft Hardenberg einiges auf die Beine gestellt hat. Zum Beispiel eine Kartoffelkooperative der Dorfbewohner, die als Auszeichnung den dritten Umweltpreis und deren Erzeugnis ein rotes Bändchen verliehen bekam.

Auch das Windrad Hardenberg geht auf das Konto der Bewohner. „Da haben wir uns seinerzeit für die Planung stark gemacht, Genehmigungsverfahren und Gutachten angeregt und so das Projekt durchgeboxt“, erinnert sich Langenohl.

Kalter Wind erreicht jetzt die Aussichtskanzel und pfeift einem fies in den Kragen. Herbert Langenohl schenkt Kaffee nach. Knabbert Schokolade aus dem Eine-Welt-Laden und spricht von alten Zeiten.

“Wir werden uns noch wundern.”

Sich politisch zu engagieren, war ihm immer wichtig. Ob in Leserbriefen, als Ratsherr, als Sozialdemokrat (der er immer noch sei, betont er, auch ohne Parteibuch) oder als Initiator von „Meinerzhagen International“, einer Kulturen verbindenden Festveranstaltung, die zweimal in der Stadt gefeiert wurde. Die Thermoskanne ist leer, ein Blick noch auf die Birken mit dem frischen grünen Laub, auf stachelige Sträucher und knorrig-verwachsene Weidenbäume in diesem seltenen Biotop. Herbert Langenohl packt zusammen, die Arbeit ruft: Als Künstler, als Galerist und nicht zuletzt als Gründer der Initiative Stolpersteine. „Denn da, wo man wohnt, sollte man sich für die Menschen einsetzen.“

 Naturschutzgebiet Gleyer in Meinerzhagen Copyright 2014 Stefanie Schildchen


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