Insekten-Autobahn an der Südumgehung

Pressemitteilung von Bündnis 90/Die Grünen, Ortsverband / Fraktion, Stadt Meinerzhagen

28. April 2018: Einsaat der Wildblumen auf der Streuobstwiese am Handweiser. Aktion der Meinerzhagener Grünen mit Hilfe der Waldjugend. Zeichen setzen gegen Insekten- und Bienesterben. Am Rande wurden Tütchen mit Wildblumensamen verteilt. © Foto: Rüdiger Kahlke

Aktion gegen das Insektensterben

Großeinsatz für die Meinerzhagener Grünen: Grubben statt Grillen / Wildblumen-Einsaat auf der Streuobstweise am Handweiser

Meinerzhagen Statt Grillen stand am letzten Samstag Grubben auf dem Programm. Auf der Streuobstweise am Handweiser galt es, den Boden für die Einsaat von Wildblumen zu bereiten.

Zuvor hatten die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes die Grasnarbe aufgebrochen. Samstag mussten noch Grassoden und Steine entfernt werden. Dann konnte die Wildblumen am Streifen oberhalb der Marienheider Straße eingesät werden. Hilfe gab es dabei von Mitgliedern der Waldjugend, die zudem für Kleintiere einen Haufen aus den aufgesammelten Steinen aufschichteten – Recycling vor Ort. Als eifrige Steinesammler machten sich auch Aylin, Jessica und Ela nützlich. Die Schülerinnen der Gesamtschule Kierspe interessierten sich für Natur und wollten gerne mithelfen. „Ich mag halt Blumen, Tiere und Pflanzen“, begründete Ela ihr Engagement.

Erwachsene, die ein Herz für die Natur hatten, holten sich Wildblumensamen ab, um auf dem eigenen Grundstück für bunte Vielfalt und damit Insektennahrung zu sorgen. Grünen-Sprecher Karl Hardenacke war zufrieden: „Das ist sehr gut gelaufen am Samstag. Mit der großen Resonanz und so vielen Helferinnen und Helfern hatte ich nicht gerechnet.“ Dank der Vorarbeit des Bauhofes war der Boden innerhalb von zwei Stunden bereitet. Gemischt mit Sand, um eine gleichmäßigere Verteilung der Samen zu erreichen, konnten dann die mehrjährigen Blumen ausgesät werden.

Neuer Lebensraum für Biene & Co.

„Es hat Spaß gemacht“, waren sich die Akteure einig. Zumal es bei Kuchen und kalten Getränken auch locker und stressfrei zuging. Vor allem: Es hat auch Sinn gemacht. Hardenacke: „Den Zustand des Insektensterbens zu beklagen, ist das Eine. Mit der Anlage des Blühstreifens versuchen wir einen kleinen Beitrag zu leisten und gegenzusteuern.“ Jetzt hoffen die Grünen, die auch die Saat-Kosten für die Aktion tragen, dass an der Südumgehung eine Insekten-Autobahn entsteht. Hardenacke: „Es wäre schön, wenn auch an anderen Stellen Wildblumenflächen angelegt würden.“ Randsteifen an Straßen oder auch anderen öffentlichen Flüchen gebe es genug. Neben neuem Lebensraum für Insekten, Bienen vor allem, werde die Stadt damit auch bunter, attraktiver und abwechslungsreicher.

Schon die Anlage der Streuobstwiese vor sechs Jahren hatte zum Ziel die Artenvielfalt zu erhalten. Die Wiese, die auf Initiative der Grünen mit alten heimischen Obstbäumen bepflanzt worden ist, gilt nach Angaben des Naturschutz-Verbandes BUND als größte innerstädtische Streuobstwiese in Südwestfalen. Sie wird jetzt durch den Blühstreifen aufgewertet – eine Insekten-Eldorado, so hoffen die Initiatoren.

Größte innerstädtische Streuobstwiese in Südwestfalen

Aus der Sorge von Naturschützern vor dem Verlust der Artenvielfalt ist ein gesellschaftliches Thema geworden. Das Insektensterben, vielfach verkürzt als Bienensterben dargestellt, wird zunehmend zum Problem. Befeuert wurde das Thema im Herbst 2017 durch eine Studie. Forscher aus Krefeld haben durch Zählungen in verschiedenen Schutzgebieten an über 60 Standorten festgestellt, dass die Zahl der Fluginsekten seit knapp drei Jahrzehnten um 75 Prozent zurückgegangen ist. Grund sind vor allem chemische Spritzmittel in der Landwirtschaft, aber auch Monokulturen, die weniger Nahrungs- und Lebensraum bieten. Insekten wiederum sind wichtig für die Bestäubung der Pflanzen und damit für Ernteerträge. Rund ein Drittel der Nahrungsmittel, die wir Menschen zu uns nehmen, wachsen nur, weil sie von Bienen und anderen Insekten bestäubt werden. Mit den Insekten verschwindet aber auch die Nahrungsgrundlage für andere Tiere. Ein Teufelskreis, der das Öko-System aus dem Gleichgewicht bringt. Für den Nobelpreisträger Albert Einstein war der Zusammenhang schon vor Jahrzehnten klar: „Erst stirbt die Biene, dann der Mensch“.

Wildblumen-Samen gibt es in verschiedenen Mischungen für unterschiedliche Standorte.
Tipps zur Anlage von Wildblumen-Streifen: www.rieger-hofmann.de

Weitere Informationen gibt es unter www.gruene-meinerzhagen.de

Bündnis 90/Die Grünen, Meinerzhagen, Paolino Barone, Gartenstraße 7
58540 Meinerzhagen, Telefon 02354/949806, p.barone@gmx.de

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