Haus am Ebbehang

Haus am Ebbehang, Tagungsraum

Tagen, toben, Auszeit nehmen

Doppelstockbetten statt Fünf-Sterne-Anspruch / Detlef und Christine Zisick bieten Unterkunft und jede Menge Waldabenteuer/ „Unser Markenzeichen ist das Familiäre“

Valbert Die Erinnerung an Gruppenreisen in Kindheitstagen – sie riecht nach Kartoffelfeuer und nassen Socken, klingt nach Klampfe und Kanon, schmeckt nach Schmierwurst und Hagebuttentee. Sie hat zu tun mit Stahlrohrbetten und Verzicht auf Komfort. Doch das Bild von der Jugendherberge hat sich gewandelt. In Valbert steht ein Exemplar, dessen Betreiber den Gästen etwas mehr bieten wollen als nur einen Schlafplatz mit Waschbecken.

Detlef und Christine Zisick stehen auf dem Balkon ihres Lebenstraumes. Das Haus am Ebbehang und die Erhebung, auf der es thront, sind heute in milchig grauen Nebel gehüllt. So dicht, dass der nahe Wald nur schemenhaft zu erkennen ist. Das trübe Wetter, die Zeit zwischen Winter und Frühling und fehlende Brückentage bescheren dem Paar derzeit eine kleine Besucherpause. Die nutzen sie für Handwerkliches, ein paar Türen müssen noch gestrichen, ein paar Fußleisten erneuert und einige Vorhänge angebracht werden. Die nächsten Gästetermine kündigen sich aber bereits an, immer wieder klingelt das Telefon und reißt einen aus einer wohltuenden Stille. Und die ist Teil des Erholungskonzeptes.

Freizeitheim Haus am Ebbehang in Valbert

„Ist ’ne tolle Sache“, lobt Detlef Zisick die Gegebenheiten. Die Abgeschiedenheit vom Alltagstrubel, die Natur nebenan, die gute Erreichbarkeit. „Der Sauerland Höhenflug läuft knapp nebenher“, sagt Zisick. Viele Wanderer, die in Meinerzhagen starten, nutzen sein Gästehaus als Zwischenstation. „Die kehren abends hier ein, und am nächsten Tag geht es direkt nach dem Frühstück weiter.“ Dabei handelt es sich meist um Gruppen, aber auch einzelne Wandersleute suchten hier Unterschlupf.

Bevor Zisick weiter erzählt, hält er kurz inne und überlässt einigen Krähen das Wort. Sie und deren Artgenossen, darunter viele seltene Vogelarten wie Schwarzstorch, Uhu, Wasseramsel oder Gebirgsstelze sind in den nahen Naturschutzgebieten zu Hause und machen diese Gegend einzigartig. Rehwild gehört zur Kulisse, das Jungtier verlässt gerne in den Morgenstunden den Wald, um sich den Frühstücksgästen zu zeigen. Letztere stehen mit Vorliebe an den großen Fenstern zur Südseite und genießen den Erholungsaspekt „Fernsicht“.

Großer Saal im Haus am Ebbehang

„Landtourismus“, so nennt Detlef Zisick den neuen Trend. „Es ist nicht unbedingt der Fünf-Sterne-Anspruch, der die Leute hierher führt.“ Wer kommt, sucht Besinnung und auch Begegnung, möchte aus den urbanen Zentren raus, braucht Auszeit. „Hier komme ich her, stelle mein Auto ab und bin mitten in der Natur.“ Back to the roots – damit meint Zisick die Rückkehr zur Einfachheit in Sachen Freizeitgestaltung. Wer die weitläufige Anonymität großer Hotels schätzt, ist hier falsch.

 „Die Gemeinschaft erleben, das ist unser Motto“

Es gibt keinen Whirlpool, keine Mini-Bar und keine Luxus-Lounge, dafür aber behagliche Zimmer. „Bei uns stören Kinder nicht, wenn sie toben wollen.“ Eine gute Planung sei unabdingbar. Wenn sich Jugendgruppen angesagt haben, werden keine Einzelreisenden angenommen. Das gilt auch umgekehrt. Von Burn-out Geplagte und Leute, die sich Handy-Fasten verordnet haben, sind vor Lärm sicher. Manche wiederum bevorzugen gerade etwas Leben um sich herum. „Das sind meist ältere Leute, die sind total verständnisvoll und mögen den Kontakt zur Jugend.“

Küche im Haus am Ebbehang

„Saison ist immer“, sagt Zisick. Aber im Sommer wird es besonders eng im Terminkalender. Die Ferien gehören Familien mit schmalem Portemonnaie, kirchlich organisierten Gruppen und Vater-Kind-Freizeiten. Viele reisen aus dem Ruhrgebiet an. „In Bochum kennt das Haus eigentlich jeder, ganze Generationen wurden hier durchgeschleift, viele waren hier als Konfirmanden – dieser Ort steht dafür.“

Das Haus am Ebbehang, 1955 erbaut, diente bis 2012 dem Evangelischen Kirchenkreis Bochum als Jugendherberge und Freizeitstätte. Heerscharen von Schülern, Jugendgruppen, Helfern, Pädagogen und Seminarteilnehmern bevölkerten jahrzehntelang das Kleinod am Valberter Ortsrand. An diese Tradition möchten die Zisicks anknüpfen. Der Bedarf sei da, nur der Gasttyp hat sich geändert. „Alle möglichen Interessengruppen kommen jetzt hierher“, sagt Zisick. Hochzeiten, runde Geburtstage, Familienfeiern sind die Anlässe.

Wandmosaik im Gruppenraum

Die Wandmosaiken stammen aus einer vergangenen Ära. Die Zisicks wollten sie unbedingt erhalten.

„Zeitweise haben wir 80 bis 100 Leute hier, die feiern im großen Saal, bleiben über Nacht und frühstücken am nächsten Tag gemeinsam.“ Zur Verfügung stehen Gruppenzimmer mit Doppelstockbetten aus Buchenholz, gemütliche Einzelzimmer, Doppelbetten und Zustellbetten im extra Raum, Bereiche mit Eltern- und Kinderzimmern. Das Haus am Ebbehang besteht aus Herberge und Gästehaus in einem Gebäudekomplex.

 Mountainbiker finden ideale Bedingungen vor

Lange Flure verbinden die Areale, die Gruppenräume auf der einen Seite, angegliedert die Bereiche für Tagungen und Seminare, nicht weit die Frühstücksräume, auf der anderen Seite der Wohnkomplex und noch etwas weiter der Saal für Feiern und größere Veranstaltungen. Unterschiedlichen Ansprüchen wird Rechnung getragen. „Wir vermieten auch an Selbstversorger – Gruppen können einen eigenen Koch mitbringen, wenn sie es wünschen, das geht hier alles.“ Auch Radsportler sind willkommen, Marathonfahrer sowie Mountain- und Tourenbiker finden ideale Bedingungen vor.

Doppelstockbetten aus Buchenholz

Behagliche Atmosphäre mit Doppelstockbetten aus Buchenholz

Es gibt keinen Fahrstuhl, keinen Hochglanzprospekt, keine Gletscher oder Märchenschlösser. „Dafür bieten wir ein bezahlbares Wochenende, ein gemütliches Bett und jede Menge Waldabenteuer.“ Nicht zu vergessen den herzlichen Service, der von den ehemaligen Gästen gelobt wird. „Der Reiz hier liegt sicher in der Individualität“, sagt Zisick. „Das Markenzeichen ist das Familiäre.“

Herbergseltern – genauso verstehen sie sich

Herbergseltern, das sei so ein Begriff von früher. Aber genau so verstehen sie sich. Detlef und Christine Zisick: „Wir sind für alle da, wir betreuen und bekochen große und kleine Leute.“ Ein Team von acht Aushilfen unterstützt die beiden, die auch selbst gerne am Herd stehen. Die Küche liegt zentral zwischen zwei Trakten und ist für 100 Mahlzeiten ausgelegt. Pfefferminztee in Blechkannen war gestern, Nudeln mit Ketchup sind Klischee. Die Zisicks kennen von vielen Reisen viele Rezepte und bringen sie hier unters Volk. „Die Ansprüche sind gewachsen, Sie können nicht mehr nur irgendwelche Tütensuppen anbieten.“ Die Zutaten werden sorgsam ausgewählt und zubereitet, auf Allergien wird Rücksicht genommen.

Tagungsraum mit Klavier

Tagungsraum mit Klavier: Das Haus steht allen möglichen Gruppen offen.

Der Nebel wird jetzt durchsichtiger, verflüchtigt sich zusehends in die Tannenkronen und gibt den Blick frei auf schmale Pfade, die hangaufwärts in den Wald führen. Zum Wassertretbecken, zum kleinen Teich (im Sommer sind unzählige Goldfische zu sehen) und zu vielen kleinen Wanderrouten, die sich hier kreuzen. Wer sich von hier aus aufmacht, durchquert die Naturschutzgebiete Ebbemoore und Kammmoor und erreicht auf naturbelassenen Pfaden die Nordhelle, den höchsten Berg des Ebbegebirges. Wer Glück hat, kann von dort, bei klarem Wetter, bis zum Siebengebirge und Münsterland schauen.

Haus am Ebbehang Gruppenraum

Auf dem Balkon wird es etwas ungemütlich, statt zu frieren, erzählen die Zisicks von ihren Reisen. Sie haben die Welt erkundet, Länder, je ferner, umso besser. „Indien und Indonesien – Jetzt fahren wir nicht mehr so weit weg, wenn’s hoch kommt mal in die Normandie. Ansonsten sind wir lieber hier.“ Vor 30 Jahren kam Detlef Zisick das erste Mal nach Meinerzhagen. Es war Anfang der Achtziger, erinnert er sich, im Januar war er aus Berlin angekommen, der Schnee lag so hoch, sagt Zisick und hebt die Hand an die Hüfte. Der Taxifahrer habe damals die Autobahn nicht verlassen wollen und sich regelrecht geweigert, in den Ort hineinzufahren, aus Angst, dort stecken zu bleiben.

Irgendwann wurde ein Lebensprojekt daraus

Das Haus am Ebbehang habe ihn schon immer interessiert. „Wir haben ja früher in der Gegend gewohnt und sind oft hier oben spazieren gegangen.“ Und irgendwann wurde ein Lebensprojekt daraus. „Wir haben alles hingeschmissen. Die paar Besitztümer, die wir hatten, haben wir verkauft, um hier neu anzufangen. Wir wollten noch mal was richtig Gutes auf die Beine stellen.“ Detlef Zisick hat viele neue Ideen – zeigt in den Innenhof, „ein Grillplatz muss her und dort eine Überdachung“ – und immer weitere Träume für die Zukunft. „Wir brauchen noch mal 20 Jahre, um unsere Ziele zu verwirklichen. Arbeit gibt es genug.“   grünegegend-01stem_pure
© Text und Fotos: Stefanie Schildchen

Detlef und Christine Zisick

 

Weitere Informationen


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Haus am Ebbehang
Event- und Freizeitheim
Zum Koppenkopf 10
58540 Meinerzhagen

Übernachtungsmöglichkeiten in
26 Einzel-, Doppel- und Familienzimmern

Ansprechpartner
Deltef und Christine Zisick
☎ 02358 / 5689141
✉  info@haus-am-ebbehang.de
www.haus-am-ebbehang.de


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