Bioladen Heesfelder Mühle

Geschmack pur: Bio überzeugt

Petra Weihrauch setzt sich ein für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln / „Müssen wir wirklich im Februar Erdbeeren aus Israel essen, um glücklich zu sein?“

Halver Sie waren schuld – „Die ersten Kartoffeln aus dem Garten der Oma einer Klassenkameradin.“ Pur, dampfend, nichts weiter auf dem Teller. „Einfach nur mit Butter und Salz genossen“, schwärmt Petra Weihrauch. „Unvergleichlich!“ Nirgendwo habe sie diesen Kartoffelgeschmack später wieder erlebt, habe ihm regelrecht nachgetrauert. „Bis ich ihn bei Biokartoffeln oder auch bei selbst angebauten Knollen wiederfand.“

Heesfelder Muehle

Ihr Arbeitsplatz ist die Heesfelder Mühle in Halver. Ihre Energie steckt sie in den Bio-Laden, hier ist sie für die Betriebsleitung, für Kundenbetreuung und Verkauf zuständig. Hier setzt sie sich ein für einen bewussteren Umgang mit der Natur, mit Tieren, mit Lebensmitteln.

Das Ziel liegt versteckt, umgeben von Wäldern, zwischen Heesfeld und Carthausen. Unweit plätschert der Hälver-Bach, Efeu erobert die Straßenseite des Gemäuers aus dem 18. Jahrhundert. Einige Bauern der Gegend hatten einst hier an der Mühle eine Dorfschule für ihre Kinder gebaut. Sie bestand aus einem Klassenraum mit Ziegenstall und einer kleinen Wohnung für den Lehrer. Das ganze Areal wurde liebevoll restauriert und dient heute dem Verein Heesfelder Mühle als Zentrum für Naturschutz und Kulturlandschaftspflege. Vorm Eingang zum Bio-Laden, im Schatten betagter Linden, lässt es sich prima plaudern mit Petra Weihrauch. Über ihre Leidenschaft zum Kochen, über Bio-Anbau und über das Erlebnis unverfälschten Geschmacks.

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Nachhaltig genießen heißt mit Bedacht einkaufen, mit Muße kochen und mit Liebe zubereiten. Umweltschonend produzierte und verarbeitete Produkte schmecken nicht nur besser, sie enthalten auch mehr Nährstoffe und weniger Schadstoffe. „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum Lebensmitteln erst der Geschmack durch chemische und mechanische Verarbeitung entzogen wird, um ihn hinterher wieder durch künstliche Aromen und Geschmacksverstärker hinzuzuführen.“ Die Ware ist biologisch angebaut. Gemüse und Obst kommen von zertifizierten Landwirtschaftsbetrieben, Früchte für den Apfelsaft von Streuobstwiesen aus der Region. Der Einsatz von Pestiziden und Konservierungsmitteln ist tabu.

Das Angebot ist saisonal, versteht sich. „Müssen wir wirklich im Februar Erdbeeren aus Israel essen, um glücklich zu sein?“, fragt Petra Weihrauch. Und: „Brauchen wir Bohnen aus Ägypten, um uns gesund und schmackhaft zu ernähren?“

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Im Bioladen ist alles zu finden: Fleisch, Getreide, Käse, Butter, Joghurt, Milch, Wein, frisches Brot, Eier, Getränke, aber auch Kosmetika und Waschmittel. Ein Großteil der Ware wird vom Großhändler bezogen. Zusätzlich werden regionale Spezialitäten vertrieben, wie Schafskäse vom Schäferhof aus Marienheide, Fleisch- und Wurstwaren sowie Kartoffeln vom Biobauern Wolf aus Halver, Brot von der Vollkornbäckerei Niemand aus Hagen und Bio-Eier vom Gut Rosenthal. Auch Allergiker, Vegetarier und Veganer finden das Passende.

Uniformes Fast-Food, globalisierte Industrieware und vieles, was uns die Werbewirtschaft vorkaut, das alles hat in dieser Idylle nichts verloren. Hier einzukaufen bedeutet eine Fahrt ins Grüne. Die Leute kommen mit Körben, fragen nach ihrer ganz speziellen Dinkelsorte, decken sich ein mit rotem Mangold und losen Kartoffeln. Oder sie lassen sich Kaffee mahlen und gönnen sich ein Stück Rosenblütenkäse und Rotwein für das Wochenende. „Genießertypen“ seien hier stark vertreten. Sie schätzen das Besondere, beliebt ist die Käsetheke. Sommerbrie und Wildblumenkäse mit essbaren Blüten überzeugen die Gourmets.

„Bio ist oft auch Feinkost“, sagt Petra Weihrauch.K1024_Heesfelder_Muehle26-2 „Man muss sich ab und zu etwas Besonderes gönnen.“ Wichtig sei aber das Gesamtbild: Zu wissen, woher kommt das, was ich esse, und – ist es umweltschonend produziert. Zu den Kunden zählen ebenso junge Familien und Menschen mit kleinem Portemonnaie.

Weihrauch propagiert die nachhaltige Landwirtschaft. „Es geht nicht darum, alles um jeden Preis aus der Erde herauszuholen, sondern darum, die Böden fruchtbar zu halten für die nächste Generation.“ Saatgut zu schützen und alte Gemüse- und Obstsorten zu kultivieren ist Teil der Philosophie, ebenso wie die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe und die Wertschätzung handwerklicher Arbeit. „Das alles hat seinen Preis“, sagt die engagierte 46-Jährige. „Viele meinen, Bio sei zu teuer. Das sehe ich nicht so.“ Die Marken „Bioland“ und „Demeter“, mit denen die Heesfelder Mühle arbeitet, zeichnen sich aus durch hohe Qualitätsmerkmale. Es gibt strenge Richtlinien was Tierhaltung und Fütterung betrifft. Letztlich entscheidet aber eines: der Geschmack.

„Aus einem guten Gericht sollte man alles herausschmecken können“, sagt Petra Weihrauch. „Dazu sind frische Zutaten, die nicht tagelang gelagert wurden, unabdingbar.“ Sie erzählt von einem Teil ihrer Familie, der indonesischen Ursprungs ist. „Schon früh kam ich in den unglaublichen Genuss einer indonesischen Reistafel.“ Keine Mahlzeit – eher ein Fest, für das ihre Großmutter einst drei Tage mit Vorbereitungen zubrachte. „Mit akribischer Sorgfalt, recht schweigsam und in höchster Konzentration.“ Heute fiele das wohl unter den Begriff „Slow-Food“.  Ganz gleich, das Ergebnis zählt.

Qualität braucht Zeit. Das ist der Leitsatz derjenigen, die sich bewusst ernähren und industriell gefertigter Massenware den Rücken kehren. Und natürlich auch dem Verschwendungswahn. Weihrauch: „Im Bioladen und auch auf Wochenmärkten kann man genau die Mengen an Obst und Gemüse kaufen, die man wirklich benötigt, so dass man auch nicht zu viel wegwerfen muss.“ Regionale Produkte sind dabei aber nicht langweilig. „Es ist für mich ein Geschenk, über den Biogroßhandel so viele unterschiedliche Sorten nur einer einzigen Fruchtart kennenzulernen und vergleichen zu dürfen.“ Petra Weihrauch und ihre Mitarbeiter kosten sorgfältig und treffen dann eine Auswahl. Diese Erfahrung wird jeden Tag an die Kunden weitergegeben. An der Theke im Bio-Laden, auf dem Lüdenscheider Wochenmarkt oder per Bio-Box-Lieferservice direkt an der Haustür. © Text und Fotos: Stefanie Schildchen

Weitere Informationen

Bioladen Heesfelder Mühle
Heesfelder Mühle 3
58553 Halver
☎ 02353 / 12106
✉ bestellen@heesfelder-muehle.de
www.heesfelder-muehle.de

Öffnungszeiten
Montag und Mittwoch
14 bis 18 Uhr
Dienstag, Donnerstag, Freitag
10 bis 18 Uhr

Lieferservice BioBox
(entweder als Abo oder als Terminbestellung)
Frische Lebensmittel
Obst, Gemüse, Getränke, Kosmetika und mehr
Lieferung nach:
Schalksmühle, Halver, Lüdenscheid, Iserlohn,
Kierspe, Meinerzhagen, Herscheid, Plettenberg,
Hagen, Breckerfeld, Herdecke, Dortmund


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