Hühnerzucht und Gänseliebe

Hühner fressen Salat

Es begann mit drei Eiern im Schuhkarton

Rolf und Karin Hausmann halten alte Hühnerrassen in ihrem Garten in Drieberhausen / „Suppenhühner, wie man sie früher kannte, gibt es nicht mehr“

© Text und Fotos: Stefanie Schildchen

Meinerzhagen Eigentlich ist der Termin zum Fotoshooting ungeeignet. „Das Haubenhuhn hat Pläte“, scherzt Rolf Hausmann. Ein schwarzes und ein blondes nennt er sein Eigen. Nur ist gerade Mauser, und wo sonst ein eindrucksvoller Schopf präsentiert wird, gibt es jetzt nur Stoppeln, Kahlstellen und freie Sicht auf faltig-schuppige Haut. Die Hühner sehen etwas beleidigt aus, könnte man meinen, eilen ihm aber flugs entgegen, als sie ihn entdecken. Er könnte ja Futter dabei haben.

Rolf und Karin Hausmann sind Selbstversorger. Ihr großer Garten am Dorfrand von Drieberhausen gleicht einem grünen Schlaraffenland. Halme und Blättriges wächst aus sämtlichen Ritzen, Kräuterverbände stehen Schlange in den Rabatten, aus den Hochbeeten ragen Laubblätter der Rüben und Karotten. Von hier kommt der Salat, den auch die Hühner lieben. Einige bewegen sich neugierig und ganz frei zwischen Rosmarin und Erdbeerspinat.

Grüne Gegend: Hühner Drieberhausen

Lebensabend eines Zwerghuhns: Tante Klärchen ist acht Jahre alt und legt keine Eier mehr.

Der Chef serviert gekochtes Gemüse mit Getreideschrot

Die anderen bewohnen das großzügig angelegte Areal, das Rolf Hausmann aus Brettern und Draht luftig und zum Schutz vor dem Fuchs im Schatten der Walnussbäume angelegt hat. Unter einem Blätterdach von Johannisbeersträuchern dösen dort ein paar Araukaner. Das sind Hühner ohne Schwanz, erklärt Rolf Hausmann. Ihnen fehlen hinten Federn und Schwanzwirbel. Sie sind die Nachfahren jener, die einst bei Indianerstämmen zu Hause waren. Sie legen grüne Eier mit feinem Geschmack und recht dünner Schale. Die der Marans sind schokofarben, diese Rasse wurde in Frankreich gezüchtet. Hausmann kauft seine Exemplare nur vom Züchter.

Niemals auf Märkten, was da angeboten werde, sei völlig überzüchtet. Hybridhühner nämlich, ausgerichtet auf Massenproduktion.

„Es sind arme Kreaturen.“ Hausmanns Zöglinge haben es besser. Es sind Welsumer, Barnefelder und Vertreter der Sorte New Hampshire, letztere stolz, mit schillernd blau-schwarzen Schwanzfedern.

Grüne Gegend: Hühner Drieberhausen

Eindruck machen welche ganz in Schwarz, das sind die mit der vorgewölbten Brust. „Australorps“, Anfang des vorigen Jahrhunderts in Australien gezüchtet. Ihr Fleisch sei von besonders hoher Qualität. Nur nicht für Rolf Hausmann, der seine Lieblinge nicht im Suppentopf sehen mag. Was er als „sehr schmackhaft“ allerdings empfehlen könne, das seien französische Bressehühner. Weiß mit rotem Kamm, die Klassiker. Er bevorzugt den Hahn, der verleihe den Speisen die gewisse Würze. „Suppenhühner, wie man sie früher kannte, gibt es nicht mehr.“ Der Chef holt den Futterkübel. Er serviert gekochtes Gemüse mit Getreideschrot, manchmal auch Gurke und Obst. Hühner sind wählerisch. Manche schätzen auch eine Knospe oder eine Wurzel. So picken sie und scharren nach Würmern und begeben sich nach nebenan zum Eierlegen.

Grüne Gegend: Hühner Drieberhausen

Durch die Hintertür gelangt Hausmann vorsichtig zu den Nestern. Die Ausbeute wird behutsam gesäubert, mit dem Messer für die groben Stellen und dann mit dem trockenen Lappen. Niemals mit Wasser, weil: „Im feuchten Klima bilden sich Salmonellen.“

Im Hühnerstall liegt was in der Luft. Beim Pommerschen Grauganspaar kriselt es. Der Ganter zeigt seiner Dame heute wieder mal die kalte Schulter. Die weiß sich aber zu helfen und holt sich ihre Streicheleinheiten bei dem Mann im roten Arbeitsanzug. Erst scheue Annäherung mit Hilfe von Salat – dann legt sie den Kopf auf seine Beine, stupft mit dem Schnabel und will gekrault werden.

Karin Hausmann bietet derweil einen kleinen Rundgang durch ihre Gartenidylle, die vor Vielfalt nur so strotzt. Allein die Minze gibt es hier in unzähligen Sorten und Färbungen – Schokominze, Erbeerminze, Arabische Minze. Hier gerupft und dort probiert, alle schmecken wirklich anders.

Alte Obst- und Nussbaumsorten, Sonnenblumen, ein mannshoher Löwenzahn (für den Salat), Schnittlauch und Gewürzpflanzen. Ebenso Kürbis und Kartoffeln.

Die meisten Lebensmittel kommen direkt aus dem Garten. Alles wird verwertet, im Dörrofen getrocknet oder eingekocht. Ein Parcours durch eine überaus fruchtbare Parzelle. Tante Klärchen geht auch mit.

Eier von grün bis schokofarben

Die „alte Dame“, ein Zwerghuhn der Marke „Eulenbart“ aus holländischer Züchtung, ist acht Jahre alt und legt keine Eier mehr. Benannt ist sie nach einer Tante der Familie Hausmann: „Die hatte einen ähnlichen Gang.“ Tante Klärchen hat derweil der Übermut gepackt, wagt heute mal einen Ausflug vors Haus und verirrt sich prompt im Oleander.

Eine groß angelegte Suche beginnt, dabei erzählt Karin Hausmann von ihrer Kindheit und den drei Eiern im Schuhkarton. Schon als Mädchen hat sie Zwerghühner gezüchtet, die drei Hähne, mit denen alles begann, waren so zahm, „die saßen mir auf der Schulter.“

Ein Leben ohne die gefiederten Freunde können sich Rolf und Karin Hausmann nicht vorstellen. Tante Klärchen wurde schließlich unter dem Walnussbaum gesichtet.

 

  • Die Araukaner dösen unterm Johannisbeerstrauch
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