In der Keramikwerkstatt

Töpferware, von Kindern hergestellt. 2016 © Foto: Stefanie Schildchen

Topfschlagen war gestern

Keramikmeisterin Tanja Hoppe bietet Kindergeburtstage der anderen Art

© Text und Fotos: Stefanie Schildchen

Es darf auch mal schief sein, gerne krumm, richtig schön geknautscht – so die Maxime für alle Kreativen, die bei Hoppe-Keramik an der Kirchstraße zu Gast sind. Im Zentrum der Töpfer-Werkstatt steht der überdimensionale Arbeitstisch, eine Sonderanfertigung nach Tanja Hoppes Wünschen. Spielraum für viele Ideen, fürs Malen, Gestalten und Werkeln mit Ton, mit Glas und Glitzer, mit Buntstiften und Mosaiksteinen und vor allem – mit jeder Menge Platz für viele Kinder.

Diesmal sind es sechs Mädchen. Eine von ihnen ist gerade 12 geworden, Leonie, sie hat sich zur Feier des Tages „Dosen mit Deckel“ gewünscht. Und das ist dann auch das Motto des Nachmittages – eines Kindergeburtstags der anderen Art. Ende vorigen Jahres hat Tanja Hoppe ihr Geschäft an der Kirchstraße eröffnet. Ein absoluter Glücksfall. „So etwas passiert einem nicht oft im Leben“, sagt die 44-jährige Meinerzhagenerin. Sie hatte schon länger nach einer größeren Werkstatt gesucht und durch Zufall diesen Laden gefunden.

Eine kleine Manufaktur im Herzen der Altstadt. Große Schaufenster erlauben den Blick auf die Töpferscheibe, hier kann man zusehen, wie die Dinge entstehen. Das Besondere: „Ein paar Häuser weiter bin ich aufgewachsen.“ Wenn sie zur Arbeit fahre, sei das jedes Mal „wie nach Hause kommen“. Sie kennt jeden Winkel der Gegend, den Bereich um die Jesus-Christus-Kirche, die alten Häuser, die schmalen Gassen um den Kirchplatz herum. „Ich fahre gerne hierher, kenne die Leute nebenan, die Gärten, die Wege von früher.“

Kindergeburtstag in der Keramikwerkstatt. 2016 © Foto: Stefanie Schildchen
Pflanzgefäße mit Mosaikdekor. 2016 © Foto: Stefanie Schildchen
Kindergeburtstag in der Keramikwerkstatt. 2016 © Foto: Stefanie Schildchen

Heitere Betriebsamkeit in der Werkstatt. Nicht alle Gruppen, die hier ein paar Stunden kreativ sein dürfen, sind so ruhig wie diese sechs Mädchen. Sie sind in die Arbeit vertieft, ab und zu wird gekichert oder mal ein Arbeitsschritt zur allgemeinen Begutachtung hoch gehalten. Das Ausgangsmaterial ist Ton. Mit Hilfe eines Drahtes wird hier zuerst ein Stück von einem Zehn-Kilogramm-Klumpen (auch Hubel genannt) abgeschnitten. Dann kommt das Nudelholz zum Einsatz, es entsteht eine Platte, aus der sich Flächen ausschneiden lassen. Jetzt ist Fingerspitzengefühl gefragt – nämlich die Teile so zusammenzufummeln, dass ein geschlossener Körper entsteht. Ganz gerade muss der nicht unbedingt sein, zuweilen wird er bucklig oder sieht verbogen aus. „Das ist die individuelle Note“, erklärt die Fachfrau.

Tanja Hoppe arbeitet gerne mit Kindern. „Die sind ganz frei“, sagt sie, „die überlegen nicht lange, fangen einfach an, sind ganz unbedarft.“ Zu Beginn wird Kuchen aufgetischt, den die Eltern mitgebracht haben, dann das Werkzeug sortiert und erklärt, schließlich bekommen alle eine Schürze und einen Klumpen dieser hell- oder dunkelbraunen (je nach Wunsch), anfangs recht widerspenstigen Masse. Und daraus entstehen dann Igel, Dosen, kleine Lichthäuser, Pflanzgefäße und Türschilder. Irgendwann sprudeln die Ideen von selbst. Für die Umsetzung steht die Expertin bereit. Tanja Hoppe ist Keramikmeisterin und staatlich geprüfte Keramikgestalterin. Sie kennt natürlich die Techniken, wie mit dem Steinzeug umzugehen ist.

Kindergeburtstag in der Keramikwerkstatt. 2016 © Foto: Stefanie Schildchen
Kindergeburtstag in der Keramikwerkstatt. 2016 © Foto: Stefanie Schildchen
Kindergeburtstag in der Keramikwerkstatt. 2016 © Foto: Stefanie Schildchen

Es wird mit den Händen gearbeitet, modelliert, gemanscht und geknetet, werden Oberflächen aufgerauht, Kanten „verklebt“ und verschmiert. Marcella (12 Jahre) traktiert die Wände ihres Gefäßes mit einem Holzknüppel. Das muss sein, damit die Konstruktion nachher stabil bleibt. Sofie (13) hat die Grundfläche angeritzt und setzt seitlich Tonplatten darauf. Leonie ist schon etwas weiter und schneidet gerade den Deckel aus. Milena (10) glättet den Kubus mit einer ausrangierten Kreditkarte. „Jegliches lässt sich irgendwie verwenden“, sagt Tanja Hoppe. Um das Ganze hinterher zu verzieren, eignet sich besonders – alles.

Kleine Steine, Äste, Blätter, Knöpfe, Buchstabenstempel. Die Kunsthandwerkerin hat schon vieles ausprobiert.

„Alles lässt sich verwenden“

„Ich drücke alles Mögliche in den Ton und schaue, was passiert. Ich liebe das.“ Und die jungen Besucher offenbar auch. Sie verwenden Schrauben, Spiralen, getrocknete Früchte, Kerne oder Zapfen. Schöne Muster ergeben sich zum Beispiel auch mit der Kappe vom Tintenkiller.

Katharina (12) und Daria (12) haben bereits einen geschlossenen Würfel fertig. Was daraus letztlich werden soll, ergibt sich noch.

Vielleicht eine Spardose, ein Schatzkästchen, eine Schmuckschatulle. Jetzt geht’s erst mal an die Feinheiten. Und wenn der Rohling nach ein paar Wochen durchgetrocknet ist, wird er gebrannt und auf Wunsch auch glasiert.

„Hässlich gibt es nicht“

„Jeder nimmt etwas Einzigartiges mit nach Hause“, Tanja Hoppe lobt die Fantasie ihrer jungen Besucher. Es gebe immer wieder Überraschungen und es gilt: Perfektion ist nicht das Ziel. „Hässlich gibt es nicht.“ Es müsse – vor allem bei den ersten Arbeitsschritten mit Ton – nicht alles sauber und gerade sein.

Keramikmeisterin Tanja Hoppe, Meinerzhagen. 2016 © Foto: Stefanie Schildchen

„Das ist gerade der Reiz“, betont Tanja Hoppe. Was ihre eigenen Kreationen betrifft, da zeigt sich dann echte Kunstfertigkeit. Und der liegen eine dreijährige Ausbildung und jahrelange Erfahrung zugrunde, nicht zuletzt aber die gewisse Portion Leidenschaft. Sie verarbeitet weißen Steinzeugton mit Spots, das heißt, mit kleinen Sprenkeln. Das Rohmaterial bezieht sie aus dem Westerwald wegen der „besonders guten Qualität“. Der Vorteil dabei ist, dass sie beispielsweise Tassen töpfert, die ganz leicht und dünnwandig sind. „Eine Stufe vorm Porzellan“, erklärt die Meisterin. In jedem Gefäß steckt viel Zeit und viel Herzblut und nicht alle sind exakt gleich. „So ist das bei einem Handwerk.“ Hoppes Vorliebe sind Farbverläufe.

Sie kreiert ihre Krüge, Töpfe und Vasen am liebsten in warmem Gelb oder mediterranem Blau. Die Motive erinnern an Kartoffelstempel, verspielt, wie aus einem Malbuch.

Kein Topf ohne Stern

Und kein Topf, keine Teekanne, kein Trinkbecher ohne den Stern. „Das ist mein Markenzeichen“ und ist überall zu finden, erhaben auf dem Boden, als Ornament am Griff, als Musterdekor am Rand. Im Grunde aber liegt die Faszination im Spielerischen, in der Fülle der Möglichkeiten und der Formenvielfalt. Sie hat ein Faible für Motive wie Schnecken, immer wieder Muscheln und alles, was aus dem Meer kommt. „Ich bin immer auf der Suche nach Inspiration.“

Kindergeburtstag bei der Keramikmeisterin Tanja Hoppe, Meinerzhagen. 2016 © Foto: Stefanie Schildchen

Kindergeburtstag bei der Keramikmeisterin Tanja Hoppe, Meinerzhagen. 2016 © Foto: Stefanie Schildchen
Kindergeburtstag bei der Keramikmeisterin Tanja Hoppe, Meinerzhagen. 2016 © Foto: Stefanie Schildchen
Kindergeburtstag bei der Keramikmeisterin Tanja Hoppe, Meinerzhagen. 2016 © Foto: Stefanie Schildchen


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Weitere Informationen

Hoppe-Keramik
Kirchstraße 6
58540 Meinerzhagen

Öffnungszeiten
freitags – 10 bis 18 Uhr (durchgehend)
samstags – 10 bis 13 Uhr
(Kindergeburtstage und Kurse
sowie größere Gruppen nach Terminabsprache)

Hinweis: Töpferkurse ab 7. September 2016 immer mittwochs
(geplant sind ein Erwachsenen-Kurs vormittags,
ein Kinder-Kurs nachmittags und ein weiterer Erwachsenen-Kurs am Abend)

Ansprechpartnerin
Keramikmeisterin Tanja Hoppe
☎ 02358 / 7843
info@hoppe-keramik.de
Hoppe-Keramik / Facebook

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