Handarbeiten wie damals

“Interesse am Spinnen ist groß”

Beate Hoppe lädt ein zum offenen Spinntreffen / Uraltes Handwerk fasziniert noch heute
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Wer Interesse hat, ist zum nächsten offenen Spinntreffen am Sonntag, 16. Oktober 2016, von 11 bis 17 Uhr im Umweltpädagogischen Zentrum, Haus Heed, eingeladen.

Meinerzhagen Spinnen ist ein uraltes Handwerk. Bereits in der Jungsteinzeit machte man mit Hilfe der Handspindel aus Schafwolle Fäden zur Herstellung von Bekleidung. Das Arbeiten am Spinnrad übt bis heute eine gewisse Faszination auf die Menschen aus. Aus ein paar losen Fasern entstehen mit etwas Geschick schnell vorzeigbare Ergebnisse. Beate Hoppe kennt sich bestens aus, sie nennt mehrere Spinnräder unterschiedlichen Alters ihr Eigen und weiß: „Das Interesse am Spinnen ist groß.“

“Wer Stricksachen mitbringen will, kann das gerne tun”

Deshalb bietet sie in regelmäßigen Abständen ein offenes Spinntreffen an, zum Austausch und zum Gespräch. Sie lädt ein zum Treffen Gleichgesinnter. Einen Tag lang (von 11 bis etwa 17 Uhr) soll in geselliger Runde gesponnen und über Fasern und Wolle gefachsimpelt werden, und es können fertige Produkte begutachtet werden. Speisen und Getränke sind im Angebot. Wer möchte, schaut einfach vorbei und kann auch ohne Spinnrad kommen. „Wer seine Stricksachen mitbringen will oder auch etwas Handgearbeitetes zeigen möchte, kann das gerne tun“, sagt Beate Hoppe. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

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Ideales Sommergarn, selbst gesponnen aus der Wolle der englischen Schafrasse “Wensleydale”.

Zurzeit bringt sie ihrer Enkelin Ida das Spinnen bei. Anschauungsobjekt ist ein Exemplar, auf das sie besonders stolz ist, ein Spinnrad aus neuseeländischer Manufaktur. „Sehr selten“, so Hoppe. Das Besondere: Es handelt sich um ein Reisespinnrad zum Klappen. „Das passt in eine Tasche und ich kann es überall hin mitnehmen.“

Das alte Handwerk des Spinnens – Beate Hoppe stellt es vor: “Der Mensch verwendete die Schafwolle, um mit einfachen Utensilien Kleidung herzustellen. Im Allgemeinen wurden die gesponnenen Fäden nicht unmittelbar verwendet. Schon im alten Ägypten wurden noch einmal mindestens zwei Fäden mit Hilfe einer Spindel zusammengedreht. Diesen Vorgang nennt man zwirnen. Hierdurch bekam die Wolle mehr Festigkeit und das fertige Kleidungsstück wurde dadurch haltbarer. Nach der ersten Jahrtausendwende wurde das einfache Handspinnrad entwickelt. Um 1480 erschien die erste Abbildung eines Flügelspinnrades mit Handantrieb im Hausbuch der Familie Waldenburg in Wolfegg. Im Jahre 1738 erwarb Lewis Paul in England die ersten Patente für eine Spinnmaschine.

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Wolle spinnen: Faszination eines alten Handwerks. © Text und Fotos: Stefanie Schildchen

Das Spinnen blieb aber weiterhin überwiegend ein Handwerk, das in den Häusern zur Versorgung des Eigenbedarfs an Strickwolle ausgeübt wurde. Das 18. Jahrhundert war die Zeit des „Garnhungers”. Für einen Webstuhl mussten zehn Spinnräder Garn liefern. Um den Bedarf an Spinnwolle zu decken, wurden vielerorts Spinnhäuser eingerichtet. Durch ein Edikt im Jahre 1723 wurde beispielsweise in Berlin das Wollespinnen zur Pflicht. In den ländlichen Bereichen wurde das Spinnen im Winter, wenn alle Feldarbeit ruhte, ausgeübt. Man traf sich reihum auf den Höfen, um in geselliger Runde zu spinnen und zu erzählen. Auch der Gesang kam an diesen Abenden sicher nicht zu kurz. Gesponnen wurde überall bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. In der Zeit des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders geriet die Kunst und das Handwerk des Spinnens in Vergessenheit. Immer mehr Spinnräder landeten im Feuer oder bestenfalls beim Trödler. Erst Mitte der siebziger Jahre kam das Spinnen durch ein neues Umweltbewusstsein wieder zu neuen Ehren. Um einen guten Faden zu spinnen, mus die geschorene Wolle erst einmal sortiert werden. Nur die Rücken- und Seitenwolle eignet sich zum Spinnen eines gleichmäßigen Fadens. Danach wird die Wolle einmal in klarem lauwarmem Wasser gewaschen, anschließend gut ausgedrückt und an der Luft im Schatten langsam getrocknet. Sie sollte hin und wieder gewendet und geschüttelt werden.

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Die Fachfrau an einem Reisespinnrad aus neuseeländischer Manufaktur.

Ist die Wolle trocken, wird kardiert. Hierbei werden die restlichen Pflanzenteile und die Disteln ausgekämmt und die Wolle zum anschließenden Spinnen geglättet. Nun kann mit dem Spinnen begonnen werden.

“In vielen Haushalten sind noch Spinnräder erhalten geblieben”

Hier gibt es eine große Auswahl an Spinnrädern, die sich in zwei Gruppen aufteilen, das liegende Spinnrad (Ziege) und das aufrecht stehende Spinnrad (Böckchen). Hier wiederum gibt es das einfädige Rad, bei dem die Fadenspannung durch eine Bremse geregelt wird, und das zweifädige Rad, bei dem die Fadenspannung über Spule und Antrieb geregelt wird. Alle Räder bekommt man heute im guten Fachhandel. In vielen Haushalten sind aber trotz der Wegwerfwelle der fünfziger und sechziger Jahre noch Spinnräder erhalten geblieben, die heute gerne wieder von Enkeln und Urenkeln in Betrieb genommen werden. Das Flügelspinnrad in seiner heutigen Form ist übrigens eine deutsche Erfindung aus dem 16. Jahrhundert. Der Spinnvorgang – Verziehen, Drehen und Aufwickeln des Fadens – ist hier ohne Unterbrechung möglich. Wie schon im alten Ägypten werden heute noch zwei oder auch drei gesponnene Fäden miteinander verzwirnt. Anschließend wird der fertige Faden auf einen Haspel zum Strang gewickelt. Diese Stränge werden mit heißem Wasser und Schmierseife gründlichst gewaschen. Sie müssen, um ein Verfilzen zu vermeiden in der Waschlauge auskühlen. Danach werden sie mehrfach gespült und an einem luftigen Ort im Schatten getrocknet.”

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Beate Hoppe kennt sich bestens aus, sie bringt zurzeit ihrer Enkelin Ida das Spinnen bei.

Weitere Informationen

Offenes Spinntreffen
Haus Heed
Umweltpädagogisches Zentrum
Heed 3
58540 Meinerzhagen

Ansprechpartnerin
Beate Hoppe
☎ 02354 / 4704


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