Kleine Hütten aus besonderem Material

Manfred Fischers Vogelhaus

Die alten Eichendielen, die bei der Renovierung der Mattenschanze übrig blieben, dienen heute als Baumaterial für kleine Paläste.
© Text und Fotos: Stefanie Schildchen

Schmucke Eigenheime für Blaumeise und Co.

Manfred Fischer baut Vogelhäuser aus alten Eichendielen der Mattenschanze / Seit 55 Jahren dem Skiklub verbunden

Meinerzhagen Dach ist Dach, egal wie groß. Konstruktion und Gestaltung von Giebel und Grat, First und Traufe erfordern Fachkenntnis. Manfred Fischer, Dachdecker im Ruhestand, verfügt darüber und wendet sie noch heute an – wenngleich inzwischen die Immobilien etwas kleiner dimensioniert sind. Die Bewohner und Gäste der selbst gebauten Unterkünfte – Sperlinge, Meisen und Finken – schätzen das Angebot. Manfred Fischers Vogelhäuser sind beliebt und stark frequentiert. Aus dem Fenster seiner Werkstatt beobachtet er täglich das Geschehen in seinem Garten am Winzenberg, besonders jetzt in der kalten Jahreszeit. Sein Refugium mit kleiner Veranda ist gut geheizt und unerwartet gemütlich. Über der Werkbank hängt ein Fernseher, Besuch nimmt auf Polsterstühlen Platz.

Manfred Fischer mit einem seiner selbst gebauten Vogelhäuser

„Früher habe ich gerne den Sechs-Meter-Balken getragen“, sagt Manfred Fischer. Heute widmet er sich lieber feineren Arbeiten.

„Angefangen hat alles mit einer Gans“, sagt Manfred Fischer und legt ein Stück Holz im Ofen nach. Seine Tochter habe sich Gänse als Haustiere gewünscht. Ein Stall musste her – der Beginn einer Reihe von Bauprojekten, die immer mehr wurden. „Damit ich nicht im Keller werkeln musste, hab’ ich eine Werkstatt gebaut.“ Das meiste, das hier entsteht, ist praktischer Natur und dekorativ. „Ich bin nicht der große Künstler“, sagt Manfred Fischer, präsentiert dafür aber Ungewöhnliches – beispielsweise eine stilisierte Katze aus Tannenholz mit einem Gesicht aus Kupferblech.

Ihm fällt immer etwas ein. „Ich nehme mir ein Stück Holz und fange an und dann entsteht etwas wie das da“, sagt er und deutet auf ein Sammelsurium aus Kerzenhaltern, Weihnachtsdeko, Steckfiguren, Kisten und Kästchen und allerlei ausgesägten Motiven. Das meiste wird verschenkt, einiges aber auch „auf Bestellung“ gefertigt. Viel falle dabei nicht ab, „wenn ich Glück habe, geben mir die Leute was dafür und im besten Fall bekomme ich die Kosten fürs Material wieder raus.“

Der große Renner in seiner kleinen Produktion seien die „Zwitscherkästen“. Von außen kaum von einem Nistkasten zu unterscheiden. Beim Aufklappen offenbaren sich dann eine Flasche Hochprozentiges, ein Paar Gläser und nicht zuletzt der Humor des Erbauers. Manchem Kasten entfährt auch – per eingebautem Bewegungsmelder – beim Öffnen ein Vogelzwitschergeräusch.

Am liebsten baut Fischer aber Vogelhäuser. Konventionell, funktionell, gerne auch verziert und mit ungewöhnlichen Grundrissen. Bunt bemalte Hütten, kleine Paläste aus lackiertem Edelholz oder rustikale Behausungen im Fachwerkstil. Als Material dienen Fichte, Eiche oder Lärche und von Spaziergängen mitgebrachte Fundstücke. Sperriges Holz für den Standfuß holt er mit seinem geländegängigen Quad aus dem Wald.

Das Besondere sind die Wandverkleidungen. Die bestehen aus dem, was bei der Renovierung der Mattenschanze nicht mehr gebraucht wurde. „Bei der Sanierung des Kampfrichterturmes vor drei Jahren sind neue Dielen eingebaut worden“, erklärt er. Die alten Eichendielen waren für den Müll bestimmt, und er wollte sie eigentlich als Brennholz verwerten.

Manfred Fischer ist dem Skiklub Meinerzhagen seit seiner Jugendzeit verbunden. „Mit elf Jahren bin ich von der großen Schanze gesprungen“, erinnert sich der 66-Jährige.

Bekannt dafür, besonders weit springen zu können

„Das ist lange her.“ An Westdeutschen Meisterschaften und Bezirksmeisterschaften habe er teilgenommen. Und sei bekannt dafür gewesen, weit zu springen, ihm war es aber nicht oft genug gelungen, sauber aufzukommen. Deshalb sieht er seine Erfolge heute eher als „gutes Mittelmaß“. Anfang der siebziger Jahre hatte er zwar einiges an Pokalen und Urkunden gesammelt, sei aber dann „nur noch aus Gaudi gesprungen“.

Werkstatt Holz

Die Werkstatt: An der Schranktür ein Emblem des Skiklubs Meinerzhagen. In den 55 Jahren, die er nun Mitglied im Skiklub ist, hat sich viel bewegt. „Ich habe praktisch jede Schanze mit umgebaut.“

Katze aus Holz mit Kupferornament

Die Faszination am Werkstoff Holz hat ihn nicht losgelassen, und so entsteht auch mal Ungewöhnliches aus Materialmix.

Dem Verein blieb er erhalten, zunächst als Nordischer Sportwart und bis heute als tatkräftiger Helfer in handwerklichen Fragen. Für Arbeiten in luftiger Höhe war er der Richtige. „Als Dachdecker muss man schwindelfrei sein.“ In den 55 Jahren, die er nun Mitglied im Skiklub ist, hat sich viel bewegt. „Ich habe praktisch jede Schanze mit umgebaut.“ In den letzten Jahren sei er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so aktiv, habe aber im vergangenen Jahr beim Umbau der Mittleren Schanze mit angepackt. Zwecks Angleichung an die neuen Richtlinien war hier ein anderes Schanzenprofil erforderlich. „Der Belag musste runter. Das war ein ziemlicher Aufwand.“ In seiner Werkstatt knistert ein neuer Holzscheit hinter dem Ofenfenster. Darüber hängt Werkzeug an der Wand, darunter, eingerahmt, ein goldener Hammer.

Nistkästen

Den hat er für 30 Jahre Betriebszugehörigkeit bei der Firma Müller Bedachungen bekommen. Insgesamt 45 Jahre hat er in seinem Beruf gearbeitet. Die Faszination am Werkstoff Holz hat ihn nicht losgelassen.

„Früher habe ich gerne den Sechs-Meter-Balken getragen“, sagt Fischer. Heute widmet er sich feineren Arbeiten, an der Band- und Kreissäge, der Dekupiersäge und an der Schleifmaschine. Hier werden aus den alten Eichendielen der Mattenschanze schmucke Eigenheime für Blaumeise und Co., die Dächer – bestückt mit bunten Schindeln aus Schweißbahn, ausgestanzt mit der Kniehebelpresse – wetterfest und fachgerecht gedeckt. grünegegend-01apple_pure

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