“LED-Technik gehört in jeden Haushalt”

Matthias Kretschmer, Nachhaltigkeitspädagoge, Meinerzhagen, stellt die LED-Technologie vor.© Foto: Stefanie Schildchen

Matthias Kretschmer favorisiert die LED-Technik: “Jeder Haushalt sollte damit bestückt sein”, fordert der 63-Jährige.

“Giftige Substanzen in die Haushalte geschickt”

Matthias Kretschmer informiert über Leuchtmittel / Seine Überzeugung: Einige Technologien sind fragwürdig, können mehr schaden als nutzen, ja, sind sogar gesundheitsschädlich

© Text und Fotos: Stefanie Schildchen

Meinerzhagen Es ist mehr als das Zusammenwirken elektrischer und magnetischer Felder, mehr als Strahlung, mehr als Wellen, mehr als ein Naturphänomen – ohne Licht sähe es für die Welt schlecht aus. 2015 ist das „Internationale Jahr des Lichts und der lichtbasierten Technologien“. Das Motto lautet „Light for Change – Licht für Wandel“. Grund ge­nug, das umfassende Thema auch einmal aus lokalen Blickwinkeln zu beleuchten.

Um einen Raum zu erhellen, braucht es nicht viel. Glühbirne reinschrauben, Schalter an. Voilà. „So einfach ist es nicht“, sagt Matthias Kretschmer. „Es kommt auf das Leuchtmittel an.“ Seine Überzeugung: Einige Technologien sind fragwürdig, können mehr schaden als nutzen, ja, sind sogar gesundheitsschädlich. Seine Mission: Er informiert, wo er kann, über die verschiedenen Methoden, künstliches Licht zu erzeugen. Er kritisiert: „Es hat noch nie einen stärkeren Eingriff in die Selbstbestimmung gegeben als bei der Einführung der Energiesparlampe.“

Ein “Lichtkoffer” als Anschauungsmaterial

Von dem Start der „Kompaktleuchtstofflampe“, so die technische Bezeichnung, haben sich viele den ganz großen Beitrag zur Energiewende versprochen. Seither gehen allerdings die Meinungen zu Nutzen und Effektivität weit auseinander. Wie viel Strom wird eingespart? Welche Lampe eignet sich nun wirklich? Und wie steht es mit der Gesundheitsschädlichkeit?

Matthias Kretschmer hat dazu Anschauungsmaterial parat, einen „Lichtkoffer“, den er selbst gebaut hat. Mit diesem ist er regelmäßig in den Räumen des Quartiersbüros an der Hauptstraße vertreten, wenn es jeden letzten Freitag im Monat die Türen für die Besucher des Repair-Cafés öffnet.

Matthias Kretschmer, Nachhaltigkeitspädagoge, Meinerzhagen, stellt die LED-Technologie vor. © Foto: Stefanie Schildchen

Matthias Kretschmer informiert über die verschiedenen Methoden, künstliches Licht zu erzeugen. Der Nachhaltigkeitspädagoge kritisiert: „Es hat noch nie einen stärkeren Eingriff in die Selbstbestimmung gegeben als bei der Einführung der Energiesparlampe.“

Matthias Kretschmer schaltet die drei verschiedenen Modelle der Reihe nach an: Eine konventionelle Glühlampe, eine Energiesparlampe und ein Exemplar der Marke „LED“. Alle erstrahlen in verschiedenen Tönen, der so genannten Lichtfarbe. „Die Farbauswahl ist riesig“, sagt Kretschmer, „jeder kann sie an individuelle Wohnbedürfnisse anpassen.“

Kretschmers Lichtkoffer kommt auch bei seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zum Einsatz. Der Nachhaltigkeitspädagoge setzt auf den Vorführeffekt. Der sei besser als jede Theorie: „Es ist immer gut, wenn man etwas vergleichen kann.“

LED: “Diese Technologie wird immer effizienter”

Beruflich kommt er aus der Messtechnik und ist jetzt im Bereich der Umwelt- und Waldpädagogik tätig. Bei der Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen geht es immer auch um Licht, um Energie und wie sparsam damit umzugehen sei. In seiner Wirkungsstätte, im Umweltpädagogischen Zentrum Haus Heed,  informiert er natürlich auch über die Sonnenenergie und wie man sie gewinnt (er spricht von „Ernte“). Diese ließe sich prima zur Lichtversorgung eines Gebäudes nutzen.

“Ungefähr fünf Prozent der Energiekosten im Jahr entfallen auf die Beleuchtung im Haushalt”, sagt Matthias Kretschmer. Das ist erstaunlich wenig. An dieser Stelle mit dem Sparen anzusetzen, scheint zunächst unsinnig. Interessant seien hierbei aber zwei Dinge: die Lichtausbeute pro Watt und die Lebensdauer. Kretschmer favorisiert auch hier die LED: “Diese Technologie wird immer effizienter.”

Matthias Kretschmer, Nachhaltigkeitspädagoge, Meinerzhagen, stellt die LED-Technologie vor. © Foto: Stefanie Schildchen

Matthias Kretschmer schaltet die drei verschiedenen Modelle der Reihe nach an: Eine Energiesparlampe, eine konventionelle Glühlampe und ein Exemplar der Marke „LED“.

Zum Vergleich: Eine konventionelle Glühlampe arbeitet mit einem Glühfaden, der in einem Vakuum durch Strom erhitzt wird. Die elektrische Leistung wird nur zu 5 Prozent zu Licht, der Rest entfällt auf die Wärmestrahlung. Die Energiesparlampe funktioniert nach dem Gasentladungsprinzip mittels eines elektronischen Vorschaltgerätes. Die Energieausbeute ist gegenüber der Glühlampe etwa vier bis fünfmal höher bei bis zu 80 Prozent weniger elektrischer Leistung. Für die Funktionsweise der LED (Licht-emittierende Diode) verantwortlich ist ein Chip bestehend aus Halbleitermaterial, elektronischen Bauteilen also.

“Jeder Haushalt sollte mit LED-Technik bestückt sein”

“Die LED setzt den Strom aber deutlich besser um”, sagt Matthias Kretschmer. Außerdem sei sie mit etwa 25000 Stunden deutlich langlebiger und “schaltfest”, das heißt, sie könne viele Tausend Male ein- und ausgeschaltet werden, bis sie kaputt geht. Jeder Haushalt sollte mit LED-Technik bestückt sein, fordert der 63-Jährige. “Den Zwischenschritt der Energiesparlampe hätte man sich sparen können.” Der Verbraucher “ist per Dekret entmündigt worden”, so seine These. Denn es wurden damit “giftige Substanzen in die Haushalte geschickt.”

Matthias Kretschmer, Nachhaltigkeitspädagoge, Meinerzhagen, warnt vor der Energiesparlampe. © Foto: Stefanie Schildchen

“Was fehlt, ist ein Giftzeichen”, fordert Kretschmer bei der Kennzeichnung der Energiesparlampen.

“Jedem ist doch schon mal eine Glühbirne kaputtgegangen”, so Kretschmer. “Das ist ganz normal.” Wenn das allerdings bei einer Energiesparlampe geschieht, habe man ein großes Problem, denn hochgiftige Quecksilberdämpfe würden freigesetzt. Seiner Meinung nach müssten Herstellung und  Verkauf solcher Produkte sofort gestoppt werden.

“Energiesparlampen sind extrem gesundheitsschädlich”

“Was fehlt, ist ein Giftzeichen”, fordert Kretschmer und nimmt ein Exemplar näher in Augen­schein. Statt Warnung ist das CE-Siegel zu erkennen –   Unverständnis, Kretschmer kann da nur den Kopf schütteln – die Kennzeichnung steht für “geprüfte Sicherheit”.

Matthias Kretschmer, Nachhaltigkeitspädagoge, Meinerzhagen, Lichtkoffer. © Foto: Stefanie Schildchen

Matthias Kretschmers „Lichtkoffer“, den er selbst gebaut hat. Mit diesem ist er regelmäßig im Repair-Café vertreten.

“Energiesparlampen sind extrem gesundheitsschädlich”, so Kretschmers Fazit. Sollte mal eine kaputtgehen, rät er: “Diese Leuchtmittel enthalten giftiges Quecksilber, werden die Dämpfe frei, können sie Gehirn und Nervensystem schädigen. Die Dämpfe sammeln sich am Boden, Kinder und Haustiere sollten in einen anderen Raum gebracht werden.

“Energiesparlampen gehören nicht in den Hausmüll”

Das Fenster weit öffnen und mindestens eine Viertelstunde durchlüften. Bruchstücke vorsichtig zusammenkehren und luftdicht verschließen, dabei möglichst Haushaltshandschuhe benutzen. Splitter auf dem Teppich lassen sich mit einem Klebestreifen aufnehmen. Und ganz wichtig: Den Sondermüll nicht in die Hausmülltonne geben, sondern zum Schadstoffmobil oder zum Bauhof bringen.”

 

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