Der Star – Vogel des Jahres 2018

Star, bedrohter Wintervogel <span style="color: #999999;">© Foto: NABU/Marc Scharping</span>

Nicht nur der Star gehört zu den bedrohten Wintervögeln. © Foto: NABU/Marc Scharping

Verarmung der Lebensräume:
Heimische Vogelwelt bedroht

NABU informiert: Die Gefährdung des Stars macht auf Veränderungen unserer Landschaft und die zunehmende „Unwirtlichkeit“ der Städte aufmerksam

Meinerzhagen „Amsel, Drossel, Fink und Star, und die ganze Vogelschar“: Als Hofmann von Fallersleben diese Zeilen 1835 reimte, war für ihn selbstverständlich, dass im Frühjahr alle Vögel schon da waren, besonders so Allerweltsvögel wie Drosseln und Stare. Das hat sich längst geändert. Um ein Drittel sind die Bestände der letzteren geschrumpft (früher circa 5 Millionen Brutpaare) und auf der Roten Liste werden sie seit 2015 als gefährdet geführt und jetzt als „Vogel des Jahres“ der besonderen Aufmerksamkeit empfohlen.

Das macht auch auf die Verarmung ihrer Lebensräume aufmerksam. Ursprünglich an Waldrändern beheimatet, haben sie sich als Kulturfolger in die halboffene Landschaft, in Gehölze, Parks, Hecken und seit circa 1800 auch in Städten ausgebreitet. Ihr Areal erstreckt sich über ganz Europa bis nach Westasien; auch in Island fehlen sie nicht. Sie nisten überall, wo sie Bruthöhlen finden: zum Beispiel in Spechthöhlen und Nisthilfen, gern auch in Kolonien. Ein eigentliches Revier haben sie nicht, lediglich die nähere Umgebung des Geleges verteidigen sie. Im April legt das Weibchen vier bis sechs hellblaue Eier, die auch vom Männchen bebrütet werden. Etwa zwei Wochen Tage lang dauert die Brut, nach 18 bis 22 Tagen sind sie dann flügge. Eine anschließende Zweitbrut ist nicht selten. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten, Erdraupen, Drahtwürmer, Blattwespenraupen, im Sommer auch von Beeren und gern auch von Weintrauben. Für Winzer kann das ein großes Problem werden.

Bei der Suche nach den Ursachen des Rückganges müssen wir uns die Frage stellen, ist die Nahrungsgrundlage heute noch vorhanden? Ist die Zahl der Insekten nicht deutlich zurückgegangen? Gibt es noch Viehweiden, auf denen im Mist noch zahlreiche Insekten zu finden sind? Kann auf den Wiesen noch von Artenvielfalt zu reden sein? Unter anderem der Strukturwandel der Landwirtschaft mit der damit verbundenen Verarmung der Natur wird für den Rückgang verantwortlich gemacht.

Eindrucksvoller als bei anderen Vögeln ist ihr Schwarmverhalten: Im Herbst sammeln sich bis zu 200.000 Vögel (in Italien soll es Schwärme mit  bis zu 2 Millionen Staren geben!), die sich fast vollständig im Gleichklang bewegen. Studien haben ergeben, dass jedes Schwarmmitglied sich an bis zu sieben Nachbarvögeln orientiert, was dann zu großer Harmonie führt. Der Zusammenschluss bedeutet auch Schutz vor Greifvögeln. Zum Überwintern ziehen sie in den Mittelmeerraum, zunehmend bleiben einige auch bei uns. Das deutet auf den Klimawandel hin. 860 Stare haben Anfang Januar die Beobachter im Märkichn Kreis bei der Aktion „Stunde der Wintervögel“ gezählt.

Die Gefährdung des Stars macht auf Veränderungen unserer Landschaft und die zunehmende „Unwirtlichkeit“ der Städte aufmerksam. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass auch bei diesem „Allerweltvogel“ die Grenzen der Anpassungsfähigkeit erreicht sind. Wird sich etwas ähnliches auch bei anderen Vögeln beobachten lassen? Friedrich Petrasch, Nachrodt (Pressesprecher NABU-MK)

Weitere Informationen auf der Webseite des NABU

 

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