Neue Technik bringt noch mehr Licht

Guido Müller, Chef der Firma Busch & Müller, Meinerzhagen. 2015 © Foto: Stefanie Schildchen

“Wir sind Ursauerländer”, sagt Guido Müller über sich und seine Familie. Die Firma Busch & Müller ist am Standort gewachsen. “Ich habe deshalb wenig Interesse daran, eine Produktion in China zu unterhalten.”

Für besseres Sehen und Gesehenwerden

Fahrradbeleuchtung: Innovative Produkte der Firma Busch und Müller /
Seit etwa zehn Jahren wird in dem heimischen Unternehmen auf LED-Technik gesetzt

© Text und Fotos: Stefanie Schildchen

Es ist mehr als das Zusammenwirken elektrischer und magnetischer Felder, mehr als Strahlung, mehr als Wellen, mehr als ein Naturphänomen – ohne Licht sähe es für die Welt schlecht aus. 2015 ist das „Internationale Jahr des Lichts und der lichtbasierten Technologien“. Das Motto lautet „Light for Change – Licht für Wandel“.

Licht ist die Philosophie der Firma Busch und Müller. Das Meinerzhagener Traditionsunternehmen hat seit der Gründung 1925 die Fahrradbeleuchtung an sich stetig weiterentwickelt. Was mit einem simplen Katzenauge begann, wurde zu einer breiten Palette an innovativen Produkten ausgebaut. Dafür geht Firmenchef Guido Müller auch schon mal ungewöhnliche Wege.

Einer davon treibt ihn des Nachts mit dem Besen hinaus. Hundebesitzer und Spaziergänger, zu später Stunde noch unterwegs, wundern sich des Öfteren über den Mann, der kurz vor Mitternacht damit beschäftigt ist, die Straße zu fegen. Guido Müller bevorzugt hier Tunnel oder andere entlegene Passagen. Die speziellen Kriterien: finster oder mindestens schummrig muss es schon sein. “Früher war es der Freibad-Tunnel”, sagt er und grinst. Heute ist der Favorit die Unterführung an der Autobahn in der Nähe von Scherl. Sie dient, und das ist des Rätsels Lösung, als Fotokulisse. Wenn ein Produkt entwickelt wird, durchläuft es eine Reihe von Messphasen und Testläufen. Für die neue Lichttechnik sei der Tunnel am Freibad aber zu schmal geworden.

Ideal sei jetzt eine Unterführung auf dem Verbindungsstück zwischen Bauhof und der Firma GWK, hier gibt es wieder jede Menge Beton, der Weg ist jedoch breiter. Gewöhnlich fällt das Fotoshooting in die Zeit der Sommermonate, denn dann wird meistens ein neues Exponat vorgestellt oder ist eine Werbebroschüre in Planung.

Freitags nachts also rücken dann er und Seniorchef Dr. Rainer Müller mit ihrer Mannschaft mit vollem Equipment an. Das sind Mitarbeiter mit Messgeräten und Kameras. Sie positionieren Pylonen im Abstand von fünf Metern und bauen Apparaturen auf, das Ergebnis wird dann auf den neuen Katalogseiten präsentiert oder in einem firmeninternen großformatigen Faltblatt.

Im Lichtlabor - Guido Müller, Chef der Firma Busch & Müller, Meinerzhagen. 2015 © Foto: Stefanie Schildchen
“Licht zu verkaufen ist eine große Herausforderung.”

– Guido Müller

Zu sehen ist dort die heimische Unterführung mit etwas Wiese als Farbtupfer. Das Licht kommt von einer herkömmlichen Fahrradlampe, einem handelsüblichen Halogenscheinwerfer mit einer Beleuchtungsstärke von 10 Lux (behördliche Mindestanforderung an die Lichtleistung). Und dann zum Vergleich von dem Neuesten aus der Busch&Müller-Produktpalette, beispielsweise der Premium-Version der Lampe “Lumotec IQ Cyo” mit 80 Lux. Der Unterschied ist enorm. Die neue Technologie besticht mit einem Großflächen-Lichtfeld und einer Nahfeld-Ausleuchtung und man ist sich gar nicht mehr so sicher, ob die Lichtquelle wirklich von einem Fahrrad stammt.

Es hat sich viel getan in der Entwicklung und auf dem Markt. “Die Fahrradbeleuchtung ist gerade in den letzten Jahren wesentlich effizienter geworden”, sagt Guido Müller. “Da hat es gewaltige Sprünge gegeben.” Seit etwa zehn Jahren wird in dem heimischen Unternehmen auf LED-Technik gesetzt.

“Ein Scheinwerfer verkauft sich über das Potenzial der Ausleuchtung”, sagt Müller. “Licht zu verkaufen ist eine große Herausforderung.” Es darzustellen, ebenso. Die Begeisterung für die Technik kennt Guido Müller schon sein Leben lang. “Ich bin damit groß geworden, die ganze Familie hat sich damit beschäftigt.”

Als sein Großvater Willy Müller zusammen mit August Busch die Firma gründete, bestand die Artikelpalette noch aus diversen Metallstanzteilen. Ein Produkt war allerdings bald besonders gefragt, das Katzenauge, ein Reflektor aus Glas mit Rückstrahlwirkung, um einen Fuhrwerkanhänger bei Nacht besser zu erkennen, oder eben ein Fahrrad. Inzwischen hat man  unermüdlich getüftelt,  experimentiert und sich über die Jahrzehnte hinweg einen Namen gemacht. “Meinerzhagen”, sagt Müller, “ist im Fahrradbereich als Lichtstadt bekannt geworden.” Mittlerweile kommen die meisten Konkurrenten aus Asien.

Im Montagebereich: Arbeiterinnen kümmern sich hier darum, dass die Bauteile zusammengesetzt, verschraubt, getestet, bedruckt und verpackt werden. Firma Busch & Müller, Meinerzhagen. 2015 © Foto: Stefanie Schildchen
Im Montagebereich: Arbeiterinnen kümmern sich hier darum, dass die Bauteile zusammengesetzt, verschraubt, getestet, bedruckt und verpackt werden. 2015 © Foto: Stefanie Schildchen
Firma Busch & Müller - Im Montagebereich. 2015 © Foto: Stefanie Schildchen

“Wir sind Ursauerländer”, sagt Müller über sich und seine Familie. Die Firma ist am Standort gewachsen. “Ich habe deshalb wenig Interesse daran, eine Produktion in China zu unterhalten.”

Pro Jahr werden vier bis viereinhalb Millionen Fahrräder in Deutschland verkauft. Etwa zehn Prozent davon entfallen auf E-Bikes und Pedelecs, damit steigen auch wieder die Ansprüche an die Technologie. Momentan wird bei Busch und Müller daran gearbeitet, den 100-Lux-Scheinwerfer auf den Markt zu bringen.

Die Innovation soll bereits Ende August auf der Leitmesse “Eurobike” in Friedrichshafen vorgestellt werden. “Für die nahe Zukunft sind auch schon die 140 Lux anvisiert”, sagt Guido Müller.

Alle Produkte durchlaufen ein Mess- und Zertifizierungsverfahren, das ungefähr sechs Wochen dauert, Genehmigungsbehörde ist das Kraftfahrtbundesamt. Etwa ein bis zwei Jahre dauere es in der Regel von der Idee bis zur Zulassung, getestet wird regelmäßig im hauseigenen Lichtlabor. Was kann man sich darunter vorstellen?

Guido Müller geht voran, er führt durch den Betrieb am Bamberg, vorbei an einem riesigen Lager und dem Montagebereich. Arbeiterinnen kümmern sich hier darum, dass die Bauteile zusammengesetzt, verschraubt, getestet, bedruckt und verpackt werden. Ziel ist ein Raum, dessen Wände, Decke und Boden in mattem Schwarz gestrichen sind und der vollgestopft ist mit Sensoren und Elektronik.

Hier werden die Produktlinien von Technikern und Ingenieuren auf Herz und Nieren geprüft. Wie ist die “Lichtperformance”? Wie ist die Hell-Dunkel-Grenze eingestellt, um den Gegenverkehr nicht zu blenden? Wie verhält es sich mit Material, Gewicht und Temperatur? Sicherheit ist oberstes Gebot im Straßenverkehr. Fürs Sehen und Gesehenwerden machen sich in Meinerzhagen 180 Mitarbeiter stark. “Wir haben das Know-how”, sagt Guido Müller. “Unsere Kunden sind anspruchsvoller geworden.” Besonders einer, und das ist Müllers achtjähriger Sohn, dessen Rad natürlich nicht mit einer stinknormalem Lampe bestückt sein darf. Seine Forderung: “Wann gibt es wieder was Neues. Wann was Helleres?”

Lumotec - Produktreihe der Firma Busch & Müller. 2015 © Foto: Stefanie Schildchen
“Meinerzhagen ist als Lichtstadt bekannt geworden.”

– Guido Müller

 


Größere Karte anzeigen

Weitere Informationen

Busch & Müller KG
Auf dem Bamberg 1
58540 Meinerzhagen
☎ 02354 / 915 – 6000
Fax 02354 / 915 – 7000
info@bumm.de

www.bumm.de

Print Friendly, PDF & Email