“Stilllegung volkswirtschaftlich unsinnig”

Pressemitteilung von Bündnis 90/Die Grünen, Ortsverband / Fraktion, Stadt Meinerzhagen
 

„Güterverladestellen Krummenerl und Brügge dürfen nicht geschlossen werden“

Meinerzhagen Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 1,3 Milliarden Euro gemacht. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch, 1.Juni, in Berlin mit. Im Jahr zuvor hatte der Konzern noch einen Gewinn von 988 Millionen Euro erwirtschaftet. Als Gründe für den Verlust nannte die Bahn auch Sonderabschreibungen im Schienengüterverkehr. Die Deutsche Bahn erwägt infolgedessen, rund 500 der insgesamt 1500 Güterverladestellen in Deutschland zu schließen.

Tritt das so ein, werden die Rotstiftpläne von Bahnchef Rüdiger Grube in Nordrhein-Westfalen viele Frachtbahnhöfe und Arbeitsplätze bei DB Cargo gefährden. Eine Streichliste des Staatskonzerns sieht vor, dass 25 Güterverkehrsstellen bereits zum Jahresende 2016 komplett geschlossen werden sollen. Fünf weitere Logistikstandorte will die Deutsche Bahn nur noch bei Bedarf bedienen, an 21 weiteren soll die Bedienung teils stark eingeschränkt werden.
Das interne Papier „Zukunft Bahn @ DB Cargo“ führt unter der Überschrift „Wirtschaftliche Optimierung Nahbereich“ 26 Güterverkehrsstellen in NRW auf, an denen die Bedienung eingestellt werden soll, darunter Lüdenscheid-Brügge und Meinerzhagen-Krummenerl im Märkischen Kreis.

Auf der Strecke Krummenerl – Meinerzhagen – Brügge – usw. werden erhebliche Schottertransporte abgewickelt. Die Mengen schwanken in den letzten Jahren bis zu 150.000 Tonnen und im letzten Jahr mit 40.000 Tonnen. Nach Einschätzung der Basalt-AG mit zunehmender Tendenz. Auf der Straße transportiert entspricht das 2.000 bis 6.000 40-Tonnen-LKW, die zusätzlich zu den regionalen Schotter-Transporten dann auf die Straße kommen. Weiter ist anzumerken, dass in Scherl oder am neu gestalteten Bahnhof Meinerzhagen die Möglichkeit des Verladens weiterer Güter durch heimische Firmen mit nur überschaubaren baulichen Maßnahmen ermöglicht werden könnte. Die Strecke Meinerzhagen – Brügge wurde bereits mit rund 60 Millionen Euro, mit Mitteln des Bundes, technisch und hinsichtlich des Sicherheitsstandards für den Personenverkehr ertüchtigt, so dass zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2017 der Betrieb im Personenverkehr auch wieder aufgenommen werden wird.

Welche Auswirkungen die zusätzlichen Transporte für den Straßenzustand und die touristischen Bemühungen auf dem Stadtgebiet von Meinerzhagen und in der Region zur Folge hätten, kann man sich ausmalen. Lister- und Biggetalsperre sind nur wenige Kilometer entfernt. Die Stilllegung stünde zudem im krassen Widerspruch zur Strategie des Umweltbundesamtes, die Verlagerung des Güterverkehrs auf Binnenwasserstraßen und Schiene voranzutreiben. Ein 40-Tonner verursacht mehr als das 100.000-fache an Schäden, verglichen mit einem PKW. Listerstraße und L539 bzw. die L729 bis zur Anschlussstelle der A45 würden in erheblichen Maß belastet. Insbesondere durch den umfangreichen Schwerlastverkehr ist die Anschlussstelle Meinerzhagen bereits heute grenzwertig belastet.

Kommt der zu erwartende Umleitungsverkehr durch die Sanierung der A45 hinzu, droht der Kollaps. Eine Verlagerung der Schotter-Transporte auf die Straße wird wegen des ohnehin schlechten Zustandes dieser Landstraßen vermutlich auch zu wesentlich höheren Kosten durch Sanierung führen als der Weiterbetrieb der Bahnlinie. Es werden und auch zusätzliche Umwelt- und Lärmbelastungen die Folge sein. Die Stilllegung wäre daher gesamtvolkswirtschaftlich gesehen unsinnig.

Der Zustand der Bahnlinie ist unseres Wissens nicht sanierungsbedürftig, 1996 wurde rund ein Drittel der Strecke mit neuem Oberbau versehen, außerdem wurde vor 15 Jahren die Brücke in Scherl mit rund 4 Millionen Euro instandgesetzt. 1993 wurde sogar ein weiterer Gleisanschluss für eine Spedition in Scherl errichtet. Zu einer Nutzung dieses Anschluss kam es jedoch nie, da trotz Zusage der zu beliefernden Autokonzerne, rund zwei Drittel des Frachtaufkommens ab Scherl über die Schiene abzuwickeln, der neue Gleisanschluss von der Bundesbahn nicht abgenommen wurde. Der vermutete Grund, dass in Brügge neue Gleise hätten gelegt werden müssen. Die Transporte zu den Automobilfirmen wurden daraufhin komplett über die Autobahn A45 abgewickelt. Dass die Nutzung der Bahnlinie nicht höher ist, hat also Ursachen bei (Fehl-)Entscheidungen der Deutschen Bahn.

Die 12 Kilometer lange Bahnstrecke Meinerzhagen – Krummenerl stand in der Vergangenheit schon mehrfach vor dem Aus. Aufgrund massiver Proteste von Politik und Industrie, insbesondere der Steinbruchunternehmen, hat die DB die Stilllegungsplanungen dann wieder zurückgezogen. Auch jetzt regt sich der Widerstand bei den kommunalen Politikern. Wir Grüne haben das Thema nach ersten Presseberichten über das Geheimpapier der DB sofort aufgegriffen und wir sind uns mit anderen kommunalen Parteien einig, dass die Verladestelle nicht geschlossen werden darf.

Bundes- und Landesregierung haben sich zum Ziel gesetzt, den Güterverkehr stärker auf Schiene und Wasserstraßen zu verlagern und den kombinierten Verkehr auszubauen, damit Güter effizient und umweltschonend transportiert werden können. Hierzu ist erforderlich, die vorhandene Infrastruktur zum Umschlag von Gütern zu erhalten und eher noch auszubauen.
Bündnis90/Die Grünen Meinerzhagen fordern alle politischen Kräfte und die Vertreter der heimischen Industrie auf, sich für den Erhalt der Güterverladestellen in der Region einzusetzen und die Möglichkeit des Verladens auch anderer Güter zu prüfen und im Sinn einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung umzusetzen.

Von Seiten Bündnis90/Die Grünen sind auf Landesebenen einbezogen:
Horst Becker, Parlamentarischer Staatssekretär für ländliche Räume
Arndt Klocke, Sprecher für Verkehrs-, Bau- und Wohnungspolitik im Landtag

Der Ortsverband schließt sich im „Bündnis zum Erhalt der DB-Verladestelle“ mit SPD und UWG zusammen. Unserem Bürgermeister Jan Nesselrath sichern wir jede Unterstützung bei seinen Bemühungen um den Erhalt der Verladestellen zu.

Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen
Karl-A. Hardenacke, Sprecher
Ingolf Becker, Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Meinerzhagen

Weitere Informationen gibt es unter www.gruene-meinerzhagen.de

Bündnis 90/Die Grünen, Meinerzhagen, Paolino Barone, Gartenstraße 7
58540 Meinerzhagen, Telefon 02354/949806, p.barone@gmx.de

 

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