Ist unsere Vogelwelt in Gefahr?

Haubenmeise © Foto: NABU/Frank Derer

Haubenmeise im Winter – Erfreulich: 27 Prozent mehr Vögel wurden in heimischen Gärten gezählt. © Foto: NABU/Frank Derer

„Stunde der Wintervögel”:  Untersuchungen im Märkischen Kreis

NABU informiert über die Zählaktion im Januar: Spitzenreiter sind Kohl- und Blaumeise – Amsel ist weiter auf dem Rückzug

Meinerzhagen Ist unsere Vogelwelt in Gefahr? Bewegen wir uns auf einen „stummen Frühling“ zu? Welche Vögel sind bei uns im Winter zu beobachten? Wie wirkt sich die Fütterung aus? Welche Gäste aus dem hohen Norden finden sich im Winter bei uns ein? Um solche Fragen beantworten zu können, rief vom 5. bis 7. Januar der Naturschutzbund Deutschland zum achten Mal zur Zählung der Vögel auf. Die Beobachter konnten sich gemütlich eine Stunde lang ans Fenster setzen, oder im Garten oder im Park ihre Notizen machen. Jetzt liegen die Ergebnisse für unser Bundesland und für den Märkischen Kreis vor.

Erfreulicherweise beteiligen sich von Jahr zu Jahr mehr Vogelfreunde an der Aktion: mehr als 26.000 waren es in diesem Jahr. Erfreulich auch, dass sie rund 27 % mehr Vögel zählten als im Jahr zuvor. Das lässt sich nur zum kleinen Teil durch die gestiegene Zahl der Beobachter erklären. Es bleibt aber abzuwarten, ob sich der längerfristige Trend (jährlich minus 2,5 %) umkehrt.

In unserem Kreis haben 514 Beobachter nach Vögeln Ausschau gehalten. Etwas mehr als im Vorjahr (507), aber deutlich mehr als 2016 ( 231). Spitzenreiter sind Kohl- und Blaumeise. Sie sind in fast allen Gärten festgestellt worden. Um die 90 % haben sie innerhalb eines Jahres in den Gärten zugenommen. Die starken Schwankungen finden sich auch bei anderen Vögeln: Star (+170 %), Kleiber (+ 125 %),Schwanzmeise (+ 369 %), Tannenmeise (+416 %), Stieglitz (+170). Aus dem arktischen Skandinavien haben sich vermehrt Bergfinken eingefunden (+199 %). Diese Vermehrungen müssen als scheinbar betrachtet werden. Denn nur wenn die Vögel in Wäldern und ihren angestammten Lebensräumen Mangel leiden, suchen sie die Futterstellen rund um die Häuser auf.

Die Amsel ist weiter auf dem Rückzug, was auf den „Usutu-Virus“ zurückgeführt wird. Es wird noch einige Jahre dauern, bis sie sich davon erholt hat, was in Österreich und Süddeutschland längst geschehen ist. Weniger gemeldet wurden auch Buchfinken (-21 %), Feldsperling (-22 %) Zaunkönig (-19 %), Wacholderdrossel (-71 %).

Außer dem Futterangebot in Siedlungen und im Außenbereich spielen auch noch weitere Faktoren eine Rolle: Wie ist das Nahrungsangebot in den Herkunftsgebieten der Überwinterungsvögel? Während die einheimischen Rotkehlchen in den Süden ziehen, suchen bei uns die skandinavischen und polnischen Schutz. Wenn deshalb im Märkischen Kreis  lediglich 400 Rotkehlchen gezählt wurden, ist zu vermuten, dass das Nahrungsangebot in ihren Stammländern ausreichend ist. Auch der Klimawandel macht sich bemerkbar: zunehmend bleiben klassische Zugvögel im Winter bei uns. Das ist allerdings im milderen rheinischen Klima häufiger zu beobachten als bei uns im Sauerland. Ungewöhnlich auch der verspätete Kranichzug: 210 Kraniche machten sich Anfang Januar erst auf ihren Flug nach Südfrankreich oder Südspanien.

Friedrich Petrasch, Nachrodt (Pressesprecher NABU-MK)

Amsel im Winter © Foto: NABU/Frank Derer

Die Amsel ist weiter auf dem Rückzug, was auf den „Usutu-Virus“ zurückgeführt wird. Es wird noch einige Jahre dauern, bis sie sich davon erholt hat, was in Österreich und Süddeutschland längst geschehen ist. © Foto: NABU/Frank Derer

Weitere Informationen auf der Webseite des NABU

 

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