“Ein natürliches Schmuckkästchen”

Volmequelle, Meinerzhagen © Foto: Stefanie Schildchen

VON REINEM QUELL WIRD ALLES LEBEN HELL

Die Volmequelle / Feierliche Einweihung an einem heißen Sommertag vor 80 Jahren

© Text und Fotos: Stefanie Schildchen

Es gibt Orte, an denen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die Kulisse ist immer noch dieselbe wie vor Jahrzehnten, genau wie die Steine, die Mauern, die Wege. Eine Szenerie, geprägt von Idylle und Beschaulichkeit, von Ruhe und Ordnung. Die Volmequelle am Volmehof ist so ein Ort. Generationen von Schülern haben hier ihre Butterbrote ausgepackt, Verstecken gespielt und Stöcke ins Wasser gehalten, unzählige Wandergruppen gerastet, gepicknickt, den Blick ins Tal genossen.

Neulich war die Waldjugend da und hat Nistkästen gebaut“, sagt Bernd Koschel, der ungefähr alle zwei Wochen vorbeikommt und nach dem Rechten schaut. Er ist einer von vielen Engagierten aus den Reihen der SGV-Mitglieder, die sich in zahlreichen Arbeitsstunden für die Pflege der Anlage stark machen.

Die Volme entspringt in einem Waldstück zwischen der Straße „Zum Schnüffel“ und dem Fritz-Paulmann-Weg, die eigentliche Quelle ist nicht sichtbar, das Wasser wird unterirdisch in einem Brunnen gesammelt und rinnt von dort aus einem mit Steinen befestigten Hang. 48 Kilometer von hier aus mündet sie bei Hagen-Vorhalle in die Ruhr.

Volmequelle, Meinerzhagen © Foto: Stefanie Schildchen

Wer den idyllischen Platz besucht, ist umringt von Natur, oberhalb der Tannenwald, rechts eine große Kuhwiese, irgendwo weiter unten im Tal die Eisenbahnbrücke mit der Fischbauchträgerkonstruktion. In die kleine Parkanlage gelangt man durch ein Törchen, liebevoll handgearbeitet von Otto Schwarz. Weiter oben hört man es schon plätschern.

Umringt von Natur

Hier ist dann auch die Bank zu finden, die diesmal im Fokus steht. Stellvertretend sozusagen, denn eigentlich sind es sogar zehn. Die jüngsten beiden hat Otto Schwarz selbst gebaut, aus heimischer Eiche. Eine hat er anlässlich seiner Goldhochzeit vor fünf Jahren gestiftet.

Anlage an der Volmequelle in Meinerzhagen © Foto: Stefanie Schildchen

Die anderen Bänke gehören zu den fest installierten Sitzgruppen, die die Stadtverwaltung einst und der SGV im Jahr 2008 aufgestellt hat, oder zu dem mobilen Mobiliar. Wer möchte, kann sich hier nämlich seinen Lieblingsplatz in die Sonne rücken oder direkt an die Quelle oder, wenn`s gar zu heiß ist, unter die drei großen Bäume. Das sind eine prächtige Linde unten am Eingang und ein mächtiger Ahorn oberhalb. In die Kastanie, die ursprünglich dazwischen stand, sei „der Blitz rein“, sagt Willi Müller, seit mehr als 50 Jahren Vorsitzender der SGV-Abteilung Meinerzhagen.

„Die Krone war weg“, da habe man sich von dem Baum trennen müssen. Günter Langer, der damals Wegewart war, hat dann eine Eiche als kleinen Baum aus seinem eigenen Garten mitgebracht und eingepflanzt. „Das ist jetzt fast 35 Jahre her“, erinnert sich Willi Müller und deutet auf das Blätterdach über ihm. „Und der Baum hat sich prächtig entwickelt.“ Vor 80 Jahren hatte die SGV-Abteilung Meinerzhagen beschlossen, die Volmequelle am Volmehof einfassen zu lassen. Ein gewisser „Gärtnermeister Müller“ war mit der Planung und Durchführung der Arbeiten betraut worden.

Um die besagte uralte Kastanie und fünf Kirschbäume herum wurden Wege gelegt, Steinplatten für das Bassin aufgetürmt und Mauern gegen den Hang gebaut. Ein Gedenkstein mit der Inschrift „Von reinem Quell / wird alles Leben hell“, damals von den Wanderern aufgestellt, erinnert noch heute an das Bauvorhaben von 1936. Fast ein Jahr später war das Einweihungsfest. Bunte Wimpelketten schmückten den Platz, die Besucher, die von der Stadt aus hierher gewandert waren, drängten sich im Schatten, alle litten an diesem Festtag im Juli unter brütender Hitze.

Volmequelle in Meinerzhagen © Foto: Stefanie Schildchen
Otto Schwarz trinkt Quellwasser. © Foto: Stefanie Schildchen
Volmequelle. Das Quellwasser rinnt aus dem Berg. © Foto: Stefanie Schildchen

Der Männergesangverein „Deutscher Liederkranz“ stellte sich auf und sang „Leise rauscht die Quelle“. Die Landräte Fritz Thomée und Karl Bubner sprachen feierliche Worte und lobten die Tatkraft: Im Vergleich zu vielen anderen Quelleinfassungen sei die Volmequelleinfassung die schönste.

Wilhelm Lienenkämper, der Bezirks-Beauftragte für Naturschutz, führte aus: „Heimaterde echtester Prägung ist es, die uns heute hier zusammenfinden läßt. Zur Rechten Wall und Graben der alten Schwedenschanze aus vergangener Zeit, hinter uns die alte Napoleonstraße. Von drüben her winkt der Ebbewald mit seiner Unendlichkeit, seinen Grüggel- und Heimatgeschichten, vor uns die geschichtliche alte Siedlung Meinerzhagen, in dessen traulichen Gassen und Winkeln der Geist des Mannes umherwandelt, der Meinerzhagens Heimatforscher war, Eduard Fittig, aus bodenständigem Bauerngeschlecht hervorgegangen.“

Die Meinerzhagener Zeitung schrieb tags drauf: „Diesem mütterlichen Boden entspringt der Quell, der, durch viele Nebenflüsse gespeist, auf seinem Lauf zum Flusse wird. Volme heißt auch dieses Gehöft. Vollmer und Vollmerhaus heißen die Geschlechter, die sich hier ansiedelten und hier noch wohnen. Volme heißt ein Bezirk des S.G.V., der Träger ist heimatlicher Sitte und heimatlichen Brauchtums. Die Volme half den Menschen, daß sie Hämmer und Eisenschmitten betreiben konnten, daß viele Volksgenossen Brot und Arbeit fanden. Mit Volmewasser wurde zu Sankel Fritz Linde getauft, den Gott zu einem Dichter und Künder der Heimat machte. An den Ufern der Volme entstand Rhadermühle, das alte Rittergut. So ist es recht und billig, daß wir dich ehren, Volme-Quelle.“

Und das tut man auch heute noch, Hege und Pflege sind den Männern der SGV-Abteilung zu verdanken. Die Bänke sind sauber, der Splitt ist geharkt, das Unkraut gezupft, der Rasen gemäht.

Und die Hecke geschnitten – Siegfried Kunert hat dafür einen ganzen Tag gebraucht, immerhin geht die Strauchreihe aus Hainbuche einmal ganz rum um das Areal. Die Besucher geben einander förmlich die Klinke in die Hand, Wanderer, Pilger auf dem Jakobsweg, der hier entlang führt, Spaziergänger ohne und mit Hund. Tibetdogge Taruci darf sich heute am Volmequellwasser laben, das übrigens auch für Menschen genießbar ist. Otto Schwarz schöpft eine Tasse voll und macht es vor.

Ganze Familien treffen sich bei schönem Wetter hier zum Grillen. Das geht allerdings nur nach Anmeldung, denn das Grundstück ist in Privatbesitz. Friedlich ist es hier oben, fernab vom Straßenverkehr, Idylle pur. Ein Vorzeigeobjekt für die Schönheit der Gegend. Oder mit den Worten anlässlich der Einweihung vor 80 Jahren ausgedrückt: „Ein natürliches Schmuckkästchen wurde der Öffentlichkeit übergeben und wird sicher immer wieder Anziehungspunkt sein für alle, die unser Sauerland durchwandern.”

Volmequelle. Mitglieder des SGV © Foto: Stefanie Schildchen

Kümmern sich um die Hege und Pflege des Areals am Volmehof: (von links) Willi Volkenrodt, Willi Müller, (stehend) Heribert Müller, Bernd Koschel, (sitzend) Siegfried Kunert, Walter Neugebauer und Otto Schwarz.

Bänke an der Volmequelle. © Foto: Stefanie Schildchen
Bank-Daten
Standort
Volmehof, Meinerzhagen
Koordinaten
51.099304, 7.666710
Lage/Erreichbarkeit gut
Zustand sehr gut
Komfort sehr gut
Erholungswert sehr gut
Aussicht gut
Bank-Note
sehr gut

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35 Jahre alte Eiche an der Volmequelle © Foto: Stefanie Schildchen

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