Wer hat noch Lust auf Gartenarbeit?

Kleingärtnerverein Meinhardus, Meinerzhagen. © 2016 Foto: Stefanie Schildchen

Jede Parzelle ein kleines Paradies

Der Kleingärtnerverein Meinhardus ist auf der Suche nach neuen Mitgliedern

© Text und Fotos: Stefanie Schildchen

Das Jahr lässt zu wünschen übrig. So richtig gut läuft es derzeit nicht bei den Kleingärtnern. Die Sonnentage waren bisher rar gesät, der Regen hört nicht auf. „Die Gurken wollen diesmal nicht so recht gedeihen und sind von Läusen befallen“, sagt Horst Fischer. „Und wenn das so weitergeht, dann faulen noch die Erdbeeren weg.“

Doch das eigentliche Problem ist ein anderes.

Der 89-Jährige bewirtschaftet  Parzelle Nummer 6 der Kleingartenanlage Meinhardus. Zusammen mit der Vorsitzenden Ingeborg Reder führt er zwischen zwei heftigen Schauern durch sein Refugium, zeigt stolz seine Gemüsebeete, die Gewächshäuser, die Küchenkräuter und Salatköpfe, die ordentlich in schnurgeraden Reihen wachsen, und die üppige Blütenpracht.

Die roten Margeriten, die lilafarbene Iris, das Löwenmäulchen und die Fetthenne säumen die mit Steinplatten belegten Wege, sie führen hangaufwärts zu Fischers Domizil, einem winzigen Gartenhaus.

Es bietet gerade einmal Platz für eine Sitzecke und eine Kochgelegenheit. Ein großes Panoramafenster erlaubt den Blick auf die bewaldeten Hügel oberhalb des Genkeltals, auf die gepflegten Nachbarparzellen und das üppige Grün. Auf der Terrasse sprießen Stiefmütterchen, kübelweise. Jede Flächeneinheit ein kleines Paradies. Oder? „Auf jeden Fall“, sagt Ingeborg Reder. „Jeder ist bemüht, das Beste aus dem Garten herauszuholen.“ Das fällt vielen Mitgliedern des Kleingärtnervereins aber zunehmend schwerer. Das Problem ist struktureller Natur: „Das Durchschnittsalter ist sehr hoch“, sagt Ingeborg Reder. Seit sie im vergangenen Jahr den Vorsitz des Vereins übernommen hat, ist sie um neue Mitglieder bemüht. Der Vorstand habe sich auf einen Schlag komplett erneuert, weil zahlreiche Engagierte wegen Krankheit oder aus Altersgründen ausgefallen sind oder pausieren müssen.

Kleingärtnerverein Meinhardus, Meinerzhagen. © 2016 Foto: Stefanie Schildchen

Diejenigen, die die Arbeit übernommen haben, seien auch nicht mehr die Jüngsten. Was viele derzeit beschäftigt ist die Frage, wie es auf lange Sicht mit den Gärten weitergehen soll. „Einige davon werden schon bald verkauft. Wir versuchen, junge Leute zu bekommen“, so Reder.

Ein weiterer Regenschauer zwingt zur Flucht ins Gewächshaus, zu den Tomaten. „Es ist so schön, wenn etwas wächst“, sagt Horst Fischer. Er sei jeden Tag hier, es gebe immer was zu tun, zu jäten, zu stutzen und außerdem sei immer jemand da. Die Gemeinschaft wird hier groß geschrieben.

Die Anlage am Ende der Danziger Straße besteht aus 40 Gärten, ein Dorado für Vögel und Insekten, eine bunte Oase, ein kleines Dorf für sich, ideal für Kinder.

„Viele wissen gar nicht, dass es so etwas hier gibt“, sagt Ingeborg Reder. Die Familien kämen gerne hierher, zur Erholung und zum Grillen. „Für die Gartenarbeit hat aber heutzutage noch kaum jemand Zeit, das Interesse fehlt einfach.“ Der Grund: „Der Stellenwert des Kleingartens ist ein anderer als früher, als man sich noch selbst versorgen musste“, sagt Reder.

„Heute gibt es ja alles zu kaufen.“ Wer hier Weißkohl, Bohnen und Kartoffeln anbaut, der tut das aus Leidenschaft. Fischer nickt, auf seinem 350 Quadratmeter großen Areal gedeihen roter Kohlrabi, Erbsen, Sellerie, reifen Brombeere, Birne und Zwetschge, gibt es weißen Rittersporn, Bartnelken, Dahlien und Wicken.

Horst Fischer und Ingeborg Reder, Kleingärtnerverein Meinhardus, Meinerzhagen. © 2016 Foto: Stefanie Schildchen

„Keiner hier ist gelernter Gärtner“, sagt Fischer. Tipps zur Fruchtfolge oder zur Aussaat gebe es in der Gartenzeitung oder beim Nachbarn. Gepflanzt wird nach Gefühl, nach all der Zeit, Horst Fischer ist seit 40 Jahren dabei, bewirkt die Erfahrung jedes Mal aufs Neue kleine Wunder: schmackhaften Rhabarber, prächtige Zierlauchblüten, dekorative Stauden und frische Beeren. „Wir haben noch Blumen hier, die duften“, verkündet Ingeborg Reder. Chemie ist tabu, wenn überhaupt, kommt nur Naturdünger zum Einsatz, vom eigenen Komposthaufen zum Beispiel. Die beiden hoffen, dass sich bald neue Mitglieder, „gerne junge Leute“ finden, die das Gärtnern lieben und sich der Gemeinschaft anschließen möchten.

Kleingärtnerverein Meinhardus, Meinerzhagen. © 2016 Foto: Stefanie Schildchen


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Weitere Informationen

Kleingärtnerverein Meinhardus e. V.
Schlenke/Danziger Weg
58540 Meinerzhagen

Ansprechpartnerin
Ingeborg Reder
Vorsitzende

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